Der richtige Outdoor-Kocher

Outdoor Kochen

Outdoor lecker essen? Für uns echtes Neuland, denn dieses Jahr sind wir das erste Mal mit einem Kocher unterwegs, da wir auch im Gebirge und entlegeneren Regionen im Zelt schlafen werden. Fest steht für uns, dass es nicht immer nur eine olle Tütensuppe geben soll. Doch wie kann man unterwegs lecker kochen? Zunächst stellt sich dabei die Frage:

Welcher Outdoor Kocher soll es sein?

Schon fängt die Verwirrung an! Welchen der zahllosen erhältlichen Kocher sollen wir nehmen? Welcher Brennstoff passt am besten zu unserem Einsatzzweck?

Gaskocher

Am verbreitetsten sind wahrscheinlich Gaskocher (zum Beispiel der Kiro ST), denn sie sind billig, einfach zu bedienen und schnell einsatzbereit. Der Kocher wird einfach nur oben auf eine Gaskartusche geschraubt und schon geht es los. Nachteilig ist, dass man diesen Brennstoff in ein paar Ländern nicht kaufen kann. Außerdem ist die Rest-Gasmenge schwer einzuschätzen und die Kartusche nicht wiederbefüllbar. Weiterhin funktionieren Gaskocher bei Minusgraden im zweistelligen Bereich nicht mehr richtig, was für uns jedoch nicht weiter relevant ist.
Kurz: Gaskocher sind ideal fürs (Light) Trekking bei gemäßigten Wetterbedingungen und einfachen Mahlzeiten.
Übrigens: Es gibt Stech- und Ventilkartuschen. Hast du einen Gaskocher mit einem Gewinde-Anschluss und bist zum Beispiel wie wir in Frankreich oder Spanien unterwegs, wo es meist nur Stechkartuschen gibt, brauchst du einen Adapter – zum Beispiel diesen von Edelrid.

Spiritus-Kocher

Auch Kochen mit Spiritus hat durchaus Vorteile: Du erhältst den Brennstoff überall auf der Welt und kannst je nach Tour die benötigte Menge genau abfüllen. Dadurch sparst du unnötiges Gewicht, was ja bei Wander- und auch Radreisen immer eine große Rolle spielt. Aber Spiritus bringt auch einige gewichtige Nachteile: Die Wärmeleistung ist geringer als bei Gas und auf dem Kochgeschirr (und damit auch auf den Händen) setzt sich schnell Ruß ab. Ist es sehr kalt, lässt sich Spiritus zudem schlecht entzünden.
Die klassische Lösung mit Spiritus ist der Sturmkocher von Trangia – quasi unzerstörbar und selbst bei starkem Dauerregen oder Sturm funktionsfähig – also für extreme Bedingungen und Wintertouren geeignet. Allerdings ist die Flamme schlecht regulierbar und man muss gegebenfalls im offenen Feuer hantieren, um den Kocher auszuschalten. Außerdem ist Brennspiritus nicht ungefährlich. Du solltest deshalb nie einen Kocher während des Betriebs nachfüllen, da es dabei zu einer Verpuffungsreaktion kommen kann.

Multifuelkocher

Diese Alleskönner können mit verschiedenen Brennstoffen betrieben werden (Benzin, Petroleum, Diesel, Alkohol), haben aber auch einige Nachteile: Beim Entzünden kann sich eine Stichflamme bilden (im Zelt also zu gefährlich), das Kochen ist recht laut und der Kocher braucht lange, bis er einsatzbereit ist. Schaltet man ihn einmal aus, muss alles komplett abkühlen, bevor man erneut kochen kann. Außerdem ist eine gründliche Wartung erforderlich. Dafür halten Multifuelkocher im Dauerbetrieb konstant ihre starke Kochleistung (auch bei Kälte) und sind aufgrund der Flexibilität beim Brennstoff vor allem für Weltreisen attraktiv. Gerade Benzin ist schließlich überall erhältlich.
Kurz: Ob Gas- oder Multifuelkocher hängt von der Brennstoffverfügbarkeit und von den zubereiteten Mahlzeiten ab. Für mehrwöchige Touren mit Gerichten mit langer Kochzeit sowie Expeditionen und Wintertouren bei extremen Wetterbedingungen ist ein Multifuelkocher unter Umständen sinnvoller als ein Gaskocher.

Esbit

Und dann gibt es da noch Esbit. Das ist ein spiritusbasierter Trockenbrennstoff, den viele von der Bundeswehr kennen und, der oft auf Festivals zu sehen ist. Das Handling des preisgünstigen und ungefährlichen Brennstoffs ist sehr einfach, Packmaß und Gewicht sehr gering, aber die Brennleistung ist leider ziemlich niedrig und die Flamme rußt sehr stark. Damit der Kocher schneller heiß wird, muss man ihn auf jeden Fall windgeschützt aufstellen oder einen einfachen Windschutz basteln (zum Beispiel aus Alufolie).
Da Esbit und die beim Kochen entstehenden Dämpfe giftig sind und unangenehm riechen, solltest du nicht im Zelt damit kochen, sondern nur im Freien.
Esbit-Kocher eignen sich eher für Festivals oder Camping als für Trekking-Touren: zum Aufwärmen und für Kaffee ideal, zum längeren Kochen eher Mau. Für eine Konservendose oder ähnliches reicht es aber allemal.

Holzbrennofen (Hobo)

Eng verwandt mit dem Esbitkocher ist der sogenannte Hobo, der Holzbrennofen. Dabei handelt es sich meist um einen Metallbehälter, in dem Holz verbrannt wird, um darauf Speisen oder Getränke zu erhitzen. Manche funktionieren dafür auch Edelstahl-Besteckkörbe von Ikea um.
Klarer Vorteil ist, das du Holz quasi überall findest, sodass du den Brennstoff nicht transportieren musst und dadurch Gewicht sparst. Wer Regen erwartet, packt einfach sicherheitshalber zusätzlich ein paar Anzünder mit ein, um auch nasses Holz zum Brennen zu bringen. Durch die Funkenschlaggefahr sollte man Hobos allerdings nicht in Naturparks verwenden.
Tipp: Hobos mit einer extra Belüftung brennen heißer.

Kochen ohne Feuer und Flamme

Eine praktische Alternative zu den gerade erwähnten Brennstoffen sind die flammenlosen Kocher von BaroCook, mit denen du komplett ohne Feuer, Gas und Strom kochen kannst. Diese Innovation schaffte es auf einer der größten Outdoor-Fachmessen, der ISPO München 2014/2015, unter die Finalisten bei den Zubehör-Neuheiten.
Und so funktioniert es: Um Essen zuzubereiten, musst du einfach nur ein Heatpack in den mitgelieferten Behälter legen, den du anschließend mit Wasser befüllst. Die Heatpacks (mit 18 verschiedenen Mineralien sowie Sand) werden dadurch aktiviert und heizen das Wasser auf bis zu 98 Grad Celsius auf – für circa 20 bis 40 Minuten (je nach Pack-Größe). Das flammenlose Kochen soll übrigens nicht umweltschädlich sein, übrig bleiben nur ungiftige Sand-, Salz-, Kalkstein- sowie Sauer- und Stickstoffrückstände, die im Hausmüll entsorgt werden können.
Der größte Vorteil dieser Lösung? Du kannst immer und überall kochen, auch wenn Feuermachen dort verboten ist, wie beispielweise in Naturschutzgebieten oder im Hotelzimmer. Leider sind aber die Heatpacks ziemlich teuer und man kann unterwegs schlecht Nachschub besorgen, sodass man die benötigten Menge vorab einpacken muss.

Sonstiges: Gewicht, Größe, Windschutz …

Auch bezogen auf Größe und Gewicht des Kochers solltest du dir vorher überlegen, wie du ihn genau einsetzen willst und wieviel Platz du im Rucksack beziehungsweise der Fahrradtasche dafür maximal einplanen willst – und genau vergleichen. Hier gibt es große Unterschiede!
Die meisten Kocher sind durch ihre Bauweise außerdem recht anfällig für Wind und gehen gerne mal aus. Hier empfiehlt es sich, in einen Windschutz zu investieren (oder einen selbst zu basteln zum Beispiel aus Alufolie).
Neben dem Kocher brauchst du natürlich noch das zum Gerätetyp passende Kochgeschirr, das möglichst leicht und kompakt sein sollte, sowie Besteck. Aus Platz- und Gewichtspargründen werden wir die Töpfe gleichzeitig als „Teller“ nutzen. Statt einem Besteckset (früher hatten wir die Version der Bundeswehr) setzen wir auf eine einfachere und leichtere Komplettlösung: den Spork (bei anderen Marken oft auch Göffel genannt).

Unsere Entscheidung:

Die Wahl des „richtigen“ Kochers fiel uns nicht leicht. Eins war uns jedoch schnell klar: Spiritus, Benzin und ähnliche Brennstoffe sind uns persönlich zu gefährlich, da wir in den Pyrenäen auch in geschützten Naturparks unterwegs sind, in denen wegen Brandgefahr kein offenes Feuer erlaubt ist. Geschwankt haben wir also vor allem zwischen Gas, Esbit und dem innovativen BaroCook-System – und uns (trotz einiger Nachteile) für einen minimalistischen Esbitkocher entschieden.
Warum? Da wir davon ausgehen, dass es bei unserer geplanten Tour meist genügend Möglichkeiten zum Essen gibt und wir nur in Notfällen auf den Kocher zurückgreifen wollen, lohnt sich für uns eine große Kochausstattung eher nicht. Gefragt ist eher eine praktische und leichte Alternative für Wenigkocher, die platzsparend zu transportieren ist. BaroCook hätte zwar den Vorteil, dass man auch im Zelt kochen könnte, aber dafür ist unser Ultralight-Zelt sowieso generell zu klein. Außerdem spart man  mit einem Esbitkocher zudem Geld und kann unterwegs einfach Brennstoff nachkaufen.
Gekauft haben wir übrigens dieses Esbit-Kochset, das bei Gewicht und Packmaß punktet. Sowohl Rucksack als auch Geldbeutel werden nicht allzu schwer belastet. Dafür verzichten wir damit ganz klar auch auf Komfort, denn für aufwendiges Kochen ist diese Lösung nicht ausgelegt. Möglich sind dann eben eher einfache Suppen, Couscous oder Konservendosen.
Einen weiteren Nachteil hat das von uns gewählte Set leider auch: Es besteht aus Aluminium, einem potentiell gesundheitsgefährlichen Stoff, der in Verdacht steht Alzheimer auszulösen. Du verzichtest komplett auf Aluminium? Dann wäre zum Beispiel ein einfacher Esbitkocher kombiniert mit einem einwandigen Edelstahlbecher oder einem Titantopf eine Alternative für dich (die wir uns auch überlegt haben). Gerade Titan hat auch den Vorteil, das es wenig wiegt und du dir nicht so schnell die Lippen und Finger daran verbrennst. Da das von uns gewählte Set aber um einiges günstiger war, und wir ja nicht allzu oft damit kochen, haben wir es vorgezogen.

Ob wir uns richtig entschieden haben? Da sind wir uns ehrlich gesagt nicht sicher, da wir noch nicht wirklich einschätzen können, wie oft wir tatsächlich kochen werden. Wenn wir unterwegs aber feststellen, dass der Kocher doch öfter zum Einsatz kommt als gedacht, kaufen wir eben einfach vor Ort einen Gaskocher.

Was hast du für Erfahrungen mit dem Kochen unterwegs gemacht? Welchen Brennstoff beziehungsweise welches System nutzt du? Oder verzichtest du vielleicht sogar komplett auf warmes Essen? Und welche Lebensmittel hast du immer dabei?
Wir sind auf dein Feedback gespannt!

  • gegenglueck am

    Ich bin seit >20 Jahren mit dem Trangia unterwegs, das Rußproblem kann man durch das Verdünnen des Spiritus mit Wasser (Faustregel: Kleiner Schluck auf eine Brennerfüllung) beseitigen. Die bescheidene Brennleistung und das Problem, dass der leere Brenner zum Nachfüllen abkühlen muss bleibt. ABER: Letztes Jahr habe ich mir den Gasbrenner für den Trangia zugelegt und weiß gar nicht mehr, warum ich das nicht schon von Anfang an gemacht habe … damit hat der Kocher eigentlich keine Nachteile mehr, ist allerdings auch nicht günstig.

    Packmass/Gewicht: Für die Luxusvariante zu zweit ist das Teil komplett dabei, für die spartanische Solotour nehme ich nur das Minumum (also ohne Kessel & 2. Topf) mit und bringe im dadurch entstehenen Hohlraum des Brenners Vorräte, Gewürze & anderen Kochkram unter.

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    • Steffi am

      Hallo Gegenglück,

      danke für deinen Kommentar und fürs Teilen deiner Erfahrungen! Ich habe schon bemerkt, dass der Trangia viele Fans hat 🙂

      Hast du denn bei der Benutzung von Spiritus auch mal Probleme gehabt wie eine Stichflamme oder ähnliches? Und was mich auch interessieren würde: Wieviel wiegt denn deine jetzige Minimal-Ausrüstung für Solo-Touren circa insgesamt?

      Deine Lösung ist zwar teurer als unsere aber auf jeden Fall auch sehr viel komfortabler – das steht fest 🙂
      Kochst du denn viel unterwegs?

      Ich bin auch wirklich gespannt, ob wir tatsächlich beim Esbitkocher bleiben oder uns doch von den Vorzügen der anderen Lösungen überzeugen lassen. Ich muss mir auch den Trangia nochmal genauer anschauen!

      Liebe Grüße

      Steffi

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      • gegenglueck am

        Eine Stichflamme hatte ich mit Spiritus nie, aber wenn man beim Einfüllen daneben kleckert, brennt’s halt auch daneben … das kann jetzt mit Gas nicht mehr passieren. Bei begrenzten Touren ist der portionierte Spiritus auch weniger Volumen als die Gasflasche, aber je mehr Brennstoff du mitnehmen willst/musst, desto mehr Vorteile hat in dieser Hinsicht Gas. (Und entgegen der Gerüchte, findet man auch nicht immer überall Spiritus.)

        Zum Gewicht der Minimalausrüstung kann ich nichts Genaues sagen (liegt auch noch auf dem Boden in der Campingkiste…), hängt auch immer sehr von den Umständen ab, allerdings bin ich meistens mit dem Rad unterwegs, oft auch zu zweit, da kommt es auf ein paar Gramm nicht an. Außerdem gibt es den Trangia in verschiedenen Größen und Materialien. (Ich habe die Ur-Form/Größe mit 2 Edelstahltöpfen und Kessel.)

        Wie oft ich unterwegs koche? Ich werde langsam ruhiger und habe auch schon länger kein Studentenbudget mehr, will heißen, ich gehe häufiger mal was (warmes) Essen … fährt man aber z. B. durch die skandinavische Pampa oder sonst wo „raus“ muss man sich schon selbst kümmern. Das habe ich schon über den Großteil von 3 Wochen gemacht. Das geht. Will man nicht nur Dosen warm machen, kommt man mit zwei Töpfen deutlich weiter. Allerdings gibt’s bei mir vegetarische Kost, ich muss also keine Steaks in die Pfanne kriegen … (Und die beste Campingkochausrüstungserweiterung aller Zeiten, die seit Jahren mitkommt, ist eine Plastikdose mit 10 alten Filmdöschen voller Gewürze …)

        Gruß
        g.

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        • Steffi am

          Hallo gegenglueck,

          ein Gaskocher wäre bei uns auch die nächste Wahl gewesen – und so ganz sicher bin ich mir wie gesagt auch noch nicht, ob das mit Esbit für unsere Zwecke ausreicht. Das Gewicht spielt für mich halt immer eine sehr große Rolle (natürlich auch weniger bei den Radreisen als beim Fernwandern) – und wir sind zudem sehr sehr kochfaul und ja meist in/nahe der Zivilisation unterwegs 🙂

          Ein sehr guter Tipp mit den Gewürzen! Übrigens: Da ich Veganerin bin, gibt es bei uns auch nur Pflanzliches. Ich bereite momentan auch gerade einen Post vor zum veganen Snacken und Kochen unterwegs mit Rezeptideen und Tipps, der bald erscheinen soll.

          Liebe Grüße
          Steffi