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Blick auf Matera nach einer Radreise durch Apulien | Foto von Daniel J. Schwarz auf Unsplash
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Südlich, sonnig, ursprünglich – eine Radreise in Apulien stand schon lange auf unserer Reisewunschliste. Entlang alter Olivenhaine, durch kleine weiße Dörfer … einmal um den Stiefelabsatz sollte es gehen. Und obwohl die Tour durch die größte Weinbauregion Italiens nicht ganz wie geplant verlief, hatte Italiens tiefer Süden mit seinen malerischen Dörfern und weiten Feldern viel zu bieten.

Radreise durch Apulien: Mit dem Fahrrad durch Italiens Süden

Trulli Rundhäuser in Alberobello | Photo by Mathilde Ro on Unsplash

Unsere Route führte uns zunächst von Bari aus nach Alberobello, dem Dorf der Trulli. Die weiß getünchten Rundhäuser mit ihren markanten Kegeldächern sind ein Wahrzeichen Apuliens und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Weiter ging es vorbei an Olivenbäumen und Trockenmauern durch das hügelige Hinterland bis zur Adriaküste. Zurück im Landesinneren erreichten wir Lecce mit seiner beeindruckenden Barock-Altstadt. Die letzte Etappe verlief entlang der Ionischen Küste bis zum Küstenstädtchen Gallipoli.

Die Wege waren bei dieser Radreise in Apulien völlig unterschiedlich: Wir fuhren über einige Feldwege, teils gab es gut beschilderte Radwege, und meist bewegten wir uns auf kleinen, ruhigen Autostraßen. Dabei sorgten die apulischen Hügel für leichte, aber stetige Steigungen.
Die Temperaturen im Frühsommer waren hoch, doch durch die dichte Besiedlung war die Versorgung mit Wasser kein Problem.

Unerwartete Hindernisse

Bereits die Anreise hatte ihre Tücken: Nach einer Übernachtung in München ging es mit der Bahn nach Verona und weiter Richtung Apulien. Doch kurz vor Bari, nach über 1.200 Kilometern Fahrt, stoppte der Zug unvermittelt wegen technischer Probleme. Nachdem wir mehrere Stunden festsaßen, erreichten wir Bari erst spätnachts. Die Rezeption unseres Hotels hatte seit Stunden nicht mehr offen, aber wir konnten noch ein Zimmer in einer Absteige nahe des Bahnhofs ergattern.

Auch während der eigentlichen Radreise tauchten dann Probleme auf: Eine plötzliche Verletzung zwang uns, die Tour vorzeitig abzubrechen. Der ursprüngliche Plan – eine Rundreise bis ans Ionische Meer – musste leider deutlich gekürzt werden.

Nachts am Strand von Gallipoli

Delizioso! Kulinarische Highlights in Apulien

Womit Apulien uns allerdings nie im Stich ließ, war das Essen. Von kleinen Dorfbäckereien über familiäre Trattorien bis hin zur frisch in den Gassen Baris zubereiteten Pasta … die Küche war überall hervorragend. In der Region erlebt gerade die Cucina Povera – die Renaissance der früheren Armenküche – ein Comeback. Es gab also viel liebevoll zubereitetes Gemüse und Gerichte wie die Orecchiette alla Pecorara, eine traditionelle Pasta mit Schafskäse und Tomaten.
Für Pizza-Fans war die Region ebenfalls ein Volltreffer. Zwei Pizzerien haben es in unsere persönliche Bestenliste geschafft: Die Pizzeria di Cosimo (Geheimtipp in Bari!) und Pizza&Co in Lecce – beide sind sensationell gut!


Matera – die Stadt der Höhlenwohnungen

Nachdem wir unsere Radreise durch Apulien verletzungsbedingt abbrechen mussten stellte sich die dadurch gewonnene zusätzliche Zeit in Matera als echter Glückgriff heraus.
Die Provinzhauptstadt in der süditalienischen Basilikata ist für ihre einzigartige Architektur und reiche Geschichte bekannt. Bemerkenswert ist vor allem die Altstadt, die zu einem erheblichen Teil aus Höhlenwohnungen – den Sassi – besteht. Diese gehören seit 1993 zum UNESCO-Welterbe und bilden die spektakuläre Kulisse für zahlreiche Filme wie Die Passion Christi, Ben Hur (2016) oder James Bond – Keine Zeit zu sterben.

Aussichtspunkt Belvedere Murgia Timone in Matera

Zwischen Schande und Schönheit – die Sassi di Matera

Seit etwa 10.000 Jahren sind die Höhlen bewohnt, was Matera zu einer der ältesten Siedlungen der Welt macht. Der Ort war einst Hauptstadt des antiken Apulien und wurde im 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelszentrum. Nach Umstrukturierungen durch die napoleonische Armee begann im 19. Jahrhundert der Niedergang, bevor es in den 1950er Jahren dann schließlich rapide bergab ging.

Viele Einwohner lebten damals in den Höhlen – ohne Strom und fließendes Wasser – in katastrophalen Verhältnissen. Die Sassi di Matera galten als einer der schlimmsten Slums Europas und wurden als „die Schande Italiens“ bezeichnet. Bis in die 1960er hinein erfolgte daraufhin die Umsiedlung der Bewohner in neu errichtete Wohnblocks, und die Sassi verfielen.
In den 1980ern wurden sie schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Restaurierungsarbeiten begannen und in den Höhlen entstanden Hotels, Restaurants und Museen.

Heute sind die Sassi das Wahrzeichen der Stadt und einige bieten Einblicke in das Leben ihrer frühen Bewohner. Wir nutzten die Gelegenheit, um in den Museen Antica Matera und Storica Casa Grotta in die Vergangenheit einzutauchen.

Sehenswürdigkeiten & kulinarische Highlights

Neben den Sassi haben die verwinkelten Gassen von Matera natürlich noch mehr zu bieten. So führt die Galerie Casa Cava mit einer interessanten Video-Präsentation in die Stadtgeschichte ein und im Museo Laboratorio werden Werkzeuge, Maschinen und Arbeitstechniken verschiedener Berufe des historischen Matera gezeigt.

Bekannt ist die Stadt aber auch für ihre Kirchen. Die Auffälligste ist sicherlich die Kathedrale von Matera, die im 13. Jahrhundert auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde und alles überragt. Zumindest von außen sehr beeindruckend ist auch Santa Maria de Idris, eine Kirche, die direkt in einen riesigen Felsblock gehauen wurde.
Zu guter letzt verbanden wir den Besuch der Felsenkirche Chiesa Rupestre di Madonna delle Tre Porte mit einem Abstecher zum nahegelegenen Aussichtspunkt Belvedere Murgia Timone, mit seinem spektakulären Blick auf Matera. Dieser liegt an der Schlucht Gravina di Matera direkt im Nationalpark Parco della Murgia Materana.

Wie schon in Apulien war auch in Matera das Essen herausragend. Jedes Restaurant entpuppte sich als Volltreffer und auch hier frönten viele davon der Cucina Povera.

Sonnenuntergang am Aussichtspunkt Belvedere Murgia Timone in Matera

Ein unvergeßlicher Trip nach Süditalien

Der Trip nach Matera war ein perfekter Abschluss unserer Radreise durch Apulien!
Matera ist mehr als nur eine Stadt – sie ist ein Stück Geschichte, das lebendig geblieben ist. Von der antiken Vergangenheit bis zur Gegenwart bietet diese faszinierende Metropole unzählige Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.
Unsere Reise verlief zwar anders als geplant, doch sie hinterließ bleibende Eindrücke: abwechslungsreiche Landschaften, gutes Essen – und das Gefühl, ein faszinierendes Stück Süditalien erlebt zu haben.

Roadbook

Hier findest du detaillierte Beschreibungen und Tipps zu den einzelnen Etappen der Tour Apulien & Matera, die zugehörigen gpx-Tracks zum kostenlosen Download und mehr Bilder.

Die Qualität der Strecken ist recht unterschiedlich: Von holperigen Pisten über Autostraßen bis hin zu gut ausgebauten Radwegen ist alles dabei. In einigen Orten gibt es sogar gut beschilderte, zusammenhängende Radwegenetze. Starke Steigungen kommen auf dieser Tour eigentlich nicht vor, dennoch sorgt 

Etappen-Übersicht
Apulien & Matera

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