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Die Qualität der Strecken ist recht unterschiedlich: Von holperigen Pisten über Autostraßen bis hin zu gut ausgebauten Radwegen ist alles dabei. In einigen Orten gibt es sogar gut beschilderte, zusammenhängende Radwegenetze.
Starke Steigungen kommen auf dieser Tour eigentlich nicht vor, dennoch sorgt die hügelige Landschaft Apuliens für ein stetes Auf und Ab.

Zur Zeit unserer Reise Mitte Juni waren hohe Temperaturen an der Tagesordnung. Die Versorgung mit Wasser stellte aber meist kein Problem dar – der nächste Ort ist nie allzu weit entfernt.

Fahrrad und Bahn in Apulien

Leihräder

Da wir nach unserer Radreise durch Apulien noch ein Festival in Norditalien besuchen wollten, beschlossen wir, die Tour mit Leihrädern ab Bari zu starten.
Direkte Anfragen (in Englisch und Auto-Translate-Italienisch) über die Websites der dortigen Anbieter blieben leider unbeantwortet. Wir konnten schließlich über den Leihrad-Service ListNRide buchen. Der wiederum reservierte bei einem der lokalen Verleiher, von denen wir zuvor keine Antwort erhalten hatten.

Die Auswahl an Tourenrädern beschränkte sich bei allen Radverleihern auf das gleiche Modell, das eher grundlegend ausgestattet war (Stand 2019). Die Räder hatten 21 Gänge, jedoch eine teilweise hakelige Schaltung. Auf Ebenen und bei Abfahrten war das meist in Ordnung. In der hügeligen Landschaft Apuliens und bei Temperaturen jenseits der 30 °C hätten wir uns aber durchaus besseres Equipment gewünscht. Letztendlich bereuten wir, nicht unsere eigenen Räder genommen zu haben.

Bus & Bahn

Verletzungsbedingt mussten wir auf der Etappe von Brindisi nach Castro Marinara unsere Route ändern und lernten dabei auch den öffentlichen Nahverkehr in Apulien kennen.
Etwas anstrengend waren dabei die Zugverbindungen, bei denen Fahrradmitnahme grundsätzlich möglich ist. Es gibt einige lokale Transportunternehmen, die mit Bus und Bahn verschiedene Verbindungen abdecken. Diese Unternehmen haben teils eigene Gleise oder Bahnsteige.

Die Entscheidung, ob Fahrradmitnahme möglich ist, fällt gefühlt spontan. So antwortete ein Schalterbeamter in Gallipoli abends auf die Frage nach dem Radtransport, dass dies nur im ersten Zug um 6:30 möglich sei – nachdem er soeben einer Radlergruppe eine „Sondergenehmigung“ erteilt hatte. Für seinen Kollegen am kommenden Vormittag war das alles kein Problem, schließlich gab es im Zug ein Radabteil.
Ein wenig Beharrlichkeit kann hier also durchaus hilfreich sein.

Zum Zeitpunkt unserer Reise (Sommer 2019) fuhren auf einigen Abschnitten Busse als Schienenersatzverkehr, wobei diese Verbindungen nicht immer ausgeschrieben waren. Unser Tipp: Im Zweifelsfall lieber direkt am Schalter nachfragen – in der Hoffnung auf einen wohlgesonnenen (und idealerweise informierten) Mitarbeiter. Unsere Erfolgsquote lag bei etwa 50 : 50.
Nur bedingt hilfreich waren die Websites der Betreiber wie Ferrovie del Sud Est oder Ferrovie Appulo Lucane.

Fahrradmitnahme ist in den Fernbussen der lokalen Transportunternehmen wohl grundsätzlich möglich, hängt aber letztendlich vom Ermessen des Fahrers ab. Wie am Bahnsteig brauchst du auch hier wohl einfach ein wenig Glück.

Bari - Grotte di Castellana - Alberobello

Wir konnten unsere Leihräder erst am späten Vormittag in Empfang nehmen und entschieden, bei über 35 °C die Strecke bis Putignano per Bahn abzukürzen. Betrieben wird die Verbindung von der lokalen Eisenbahngesellschaft Ferrovie del Sud Est, die in Bari sogar einen eigenen Bahnsteig hat. Hier werden auch die Tickets verkauft.

Nach 1,5 Stunden Zugfahrt erreichten wir Putignano und beschlossen, statt der hiesigen Grotta del Trullo die direkt an unserer Route gelegene Grotte di Castellana zu besuchen. Die Höhle befindet sich fünf Kilometer entfernt etwas außerhalb des Ortes Castellana Grotte und ist ziemlich spektakulär!
Die Grotten erstrecken sich über drei Kilometer und können mit geführten Touren erkundet werden. Diese beginnen im riesigen Abgrund „La Grave“, 60 Meter unter der Erde, und führen durch beeindruckende Tropfsteinhöhlen.

Höhle La Grave in den Höhlen von Castellana

Fun Fact für Cineasten: In der Höhle wurde 1980 der Film Alien 2 – Sulla terra gedreht. Der Italo-Trash Streifen hat natürlich nichts mit Ridley Scotts Meisterwerk zu tun, wurde aber als dessen Fortsetzung vermarktet und war damit zumindest in Italien erfolgreich.

Zurück an der Oberfläche führte unser Weg auf ruhigen Nebenstraßen durch Olivenhaine und vorbei an vereinzelten Trulli bis nach Coreggia. Dabei war die Radstrecke durchgehend gut beschildert.
Der kleine Ortsteil von Alberobello liegt etwas außerhalb und ist sehr ruhig. Nach dem Abendessen in einer kleinen Pizzeria konnten wir ungestört den Sternenhimmel über dem nächtlichen Apulien genießen.

Alberobello - Brindisi

Am nächsten Morgen führte unser Weg zuerst ins Zentrum von Alberobello. Große Teile des Orts bestehen aus den charakteristischen weißen Trulli-Rundhäusern, weswegen er zum UNESCO-Welterbe zählt. Dementsprechend touristisch geht es hier auch zu.

Trulli Rundhäuser in Alberobello

Nach einigen Kilometern auf einer kleinen Landstraße erreichten wir Locorotondo und genossen vom Marktplatz einen schönen Blick auf die umliegende Ebene.
Die Route verlief hügelig weiter, teils auf ausgeschilderten Radwegen, bis wir nach einer letzten Steigung Cisternino erreichten.

Ab hier ging es auf der ruhigen SP17 weiter, vorbei an Olivenhainen und Trulli, bis nach Ostuni. Von dort führte die Strecke ruhig und entspannt über San Vito dei Normanni bis zum Tagesziel Brindisi, einer kleinen, schönen Hafenstadt.

Brindisi - Lecce

Wir verließen Brindisi auf der recht stark befahrenen SP88 und nahmen nach acht Kilometern eine Abkürzung, die sich aber bald als unbefestigte Schotterpiste herausstellte. Der Umweg über die Landstraße wäre wohl schneller gewesen.
Nach gut durchgeschüttelten sechs Kilometern bogen wir dann auf die SP87 ein. Die verkehrsreiche Straße verläuft über Torre San Gennaro zwar parallel zur Küste – das Meer ist dabei aber leider fast nie zu sehen.
Nach Casalabate folgte die Route auf gut ausgeschilderten Radwegen der Grenze des Parco Regionale di Rauccio.

Während wir uns über das gute Radwegenetz um Lecce freuten, zwang uns eine kurze Unaufmerksamkeit aber zu einer Planänderung. Ich prellte mir bei einem Sturz beide Handgelenke und konnte fortan nur noch sehr schlecht fahren.
Wir entschieden uns, unsere Unterkunft im Tagesziel Castro Marinara zu canceln und buchten ein Zimmer in Lecce, der nächstgelegenen Stadt. Der Weg dorthin verlief unter Schmerzen und in gedrückter Stimmung, schließlich war nicht klar, ob wir unsere Radreise durch Apulien würden fortsetzen können.

Lecce ist eine lebendige Universitäts- und Provinzhauptstadt mit zahlreichen historischen Gebäuden und einem römischen Amphitheater. Besonders bekannt ist das Florenz des Südens aber für seine Variation des Barockbaustils, der sich auf einer Tour zur barocken Architektur erleben lässt.
Die Entscheidung über den weiteren Verlauf unserer Radreise in Apulien vertagten wir auf den nächsten Morgen.

Tipps:

Der Tag fand schließlich doch noch einen guten Abschluss. In Lecce gibt es nämlich bei Pizza&Co wirklich herausragende Pizza. Absolute Empfehlung!

Lecce - Gallipoli

Unser Plan hatte vorgesehen, an diesem Tag von Castro Marinara über Santa Maria di Leuca (an der südlichsten Spitze des „Stiefelabsatzes“) nach Gallipoli zu fahren. Meine Handgelenke fühlten sich etwas besser an, und so konnte ich – mit leichten Schmerzmitteln – zumindest von Lecce aus eine Abkürzung zum Tagesziel nehmen. Immerhin würden wir also noch das Meer sehen!

Für mehr Zeit an der Küste fuhren wir nicht eine der Direktverbindungen durchs Landesinnere, sondern auf der SP119 nach Leverano. Von dort ging es auf der SP21 weiter bis ins sehr touristische Porto Cesareo. Beide Abschnitte waren eher vermüllt und stark befahren, aber das änderte sich an der Küste.

Radreise an der Küste von Apulien

Die Route auf der wenig befahrenen SP286 führte idyllisch am Meer entlang bis nach Santa Caterina. Hier wurde der Straßenname zu SP108 und es gab weiterhin wenig Verkehr. Nach einer Pause in der KilometroZero-Strandbar erreichten wir schließlich entspannt unser Ziel.

Im schönen Hafenstädtchen Gallipoli ist vor allem die – auf einer Halbinsel gelegene – Altstadt mit ihren Kirchen, Befestigungsanlagen und Palästen sehenswert. Nachdem wir sie auf einer Tour durch Gallipoli erkundet hatten, ließen wir den Tag ruhig am Strand ausklingen.

Die anspruchsvolle letzte Etappe nach Tarent traute ich meinen geprellten Handgelenken dann nicht mehr zu. Wir beschlossen daher, unsere Radreise durch Apulien abzubrechen.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Zug zurück nach Bari und gaben dort die Räder früher zurück. Dadurch hatten wir mehr Zeit in Matera, was sich als goldrichtige Entscheidung herausstellte.

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