Friedensweg in den Karnischen Alpen

Friedensweg - Karnischer Höhenweg

Der Karnische Höhenweg folgt dem Hauptkamm der Karnischen Alpen auf insgesamt 150 Kilometern und verläuft über weite Strecken entlang der italienisch-österreichischen Grenze. Unterwegs eröffnen sich auf dem Kamm atemberaubende Ausblicke auf die Dolomiten und Kärnten. Überwältigt davon fällt es leicht zu vergessen, dass hier vor 100 Jahren ein erbitterter Gebirgskrieg tobte und der Karnische Höhenweg ein Friedensweg ist – ein wieder instand gesetzter, alter Militärpfad.

Auf dem Weg selbst ist die Vergangenheit oft präsent: Immer wieder liegen verfallene Stellungen und Schützengräben am Wegesrand, teils informieren Tafeln über den Kriegsverlauf vor Ort. In kleinen Höhlen, die als Horchposten genutzt wurden, finden sich alte Konservendosen und Munitionsreste. Manchmal liegen hinter einem kleinen Höhleneingang plötzlich ganze Gängesysteme oder an einer Biegung rostet ein Stacheldrahtverhau.

Auf dem Friedensweg in den Karnischen Alpen

Friedensweg: Der Karnische Höhenweg

Im Ersten Weltkrieg waren die Karnischen Alpen Schauplatz der Konflikte zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Zur Versorgung der Front wurde ein Wegenetz angelegt, über das die Truppen zu Fuß und mit Maultieren versorgt wurden. Selbst tonnenschwere Geschütze wurden auf diese Art auf die Gipfel befördert.
Nach dem Krieg verfielen diese Wege, bis in den 1970ern der Österreicher Walther Schaumann den Verein Dolomitenfreunde – Friedenswege / Le vie della pace gründete. Zahlreiche alte Kriegswege wurden nach dem Motto: „Wege, die einst Fronten trennten, sollen heute verbinden“ wiederhergestellt und so zu Friedenswegen gemacht.

Auf einer Frontlänge von 800 Kilometern standen sich Österreich-Ungarn und Italien im Ersten Weltkrieg gegenüber. Dabei tobten in den Höhen der Alpen zwischen 1915 und 1917 erbitterte Stellungskämpfe:
Angreifer und Verteidiger hatten sich in ihren in den Fels gehauenen Stellungen verschanzt. Durch Artilleriebeschuß wurden Lawinen über den gegnerischen Positionen ausgelöst und Mineure trieben Tunnel und Gegentunnel in die Berge, um ganze Bergkuppen über den Köpfen der Gegner zu sprengen. Sturmangriffe fanden über schwindelerregende Steilhänge statt und Verwundete mussten aus den Gebirgsstellungen abgeseilt und über Geröllhalden ins Tal gebracht werden.
Der größte Feind jedoch war die Umgebung: Für jeden Soldaten an der Front mussten Verpflegung und Ausrüstung unter extremen Bedingungen in die Höhe geschafft werden, im Winter bei eisigen Temperaturen. Der Krieg in der Alpen kostete zwischen 150.000 und 180.000 Menschen das Leben, für einen Großteil davon werden Kälte, Lawinen und Abstürze verantwortlich gemacht.

Damit schuf der Verein nicht nur bedeutende historischen Weitwanderwege in den Alpen, sondern auch ein erlebbares Mahnmal und Plädoyer für eine friedvolle, gemeinsame Zukunft: „Die Höhenwege sind auch Symbol für die Geschichte“, so Schaumann, „Zeiten der Gemeinsamkeit wurden immer wieder durch Streit und Krieg unterbrochen. Jetzt führen diese Wege in eine gemeinsame europäische Zukunft.“

Diese fünftägige Wanderung auf dem Karnischen Höhenweg ist ein beeindruckendes Erlebnis, geprägt sowohl von der Schönheit der Landschaft als auch der stets präsenten, blutigen Vergangenheit.
Die Selbstverständlichkeit mit der der Friedensweg dabei ständig und unbemerkt die einstige Frontlinie überquert führt vor Augen, wie erstrebenswert eine Welt ohne Grenzen ist.

Roadbook

volle Distanz: 65.17 kmMaximale Höhe: 2658 m
Minimale Höhe: 1213 m
Gesamtanstieg: 4444 m
Gesamtabstieg: -5148 m

Die Tour startet in den Ausläufern der Dolomiten bei Sillian und führt ostwärts durch die Karnischen Alpen. Unterwegs hast du auf dem Karnischen Hauptpass traumhafte Ausblicke auf die Hohen Tauern und die imposanten Gipfel der Dolomiten, gelegentlich laden stille Gebirgsseen zu einer Pause und zum Genießen der Landschaft ein.
Der Weg ist gut markiert und kann ohne große Schwierigkeiten bewältigt werden. An manchen Stellen sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt, einige exponierte Stellen sind mit Drahtseilen gesichert. Durch die Länge der Etappen ist gute Kondition Voraussetzung.
Bei der Planung hilfreich ist der Rother Wanderführer Karnischer Höhenweg.

Die Tour "Friedensweg in den Karnischen Alpen" in Etappen

volle Distanz: 12.24 kmMaximale Höhe: 2643 m
Minimale Höhe: 1917 m
Gesamtanstieg: 1044 m
Gesamtabstieg: -657 m

Die Tour beginnt am Parkplatz der Leckfeldalm mit einem Aufstieg bis zur Sillianer Hütte. Die Hütte liegt ideal für eine Pause, zum Akklimatisieren, und um die Aussicht auf die Sextenser Dolomiten mit den Drei Zinnen im Hintergrund sowie den Blick ins Pustatal zu genießen.
Ab jetzt verläuft die Etappe mit größtenteils mäßigen Steigungen auf dem Karnischen Hauptkamm. Am Weg liegen Unterstände aus dem Ersten Weltkrieg und ein kleiner Soldatenfriedhof. Nach teils etwas fordernderen Aufstiegen mit ausgesetzten Stellen, vorbei an weiteren Unterständen und Stellungen, erreichst du schließlich den Gipfel der Demut. Der Abschnitt bis zum Eisenreich erfordert etwas Trittsicherheit, sollte aber für geübte Wanderer kein Problem darstellen. Während der meisten Zeit hast du großartige Panoramablicke auf die Dolomiten und die Großglocknergruppe. In der Ferne  zeigt sich schließlich die am gleichnamigen See liegende Obstansersee-Hütte, vor der ein langgezogener Abstieg liegt. Auf dem Weg zur Hütte kannst du Murmeltiere beobachten, während auf dem See Tretboote übers Wasser ziehen.

Tipps:

  • Wir waren mitten in der Nacht gestartet, und besonders die Fahrer wirken nach einigen Hundert Kilometern etwas mitgenommen. Die 500 Höhenmeter Aufstieg in sengender Mittagshitze bis zur Sillianer Hütte gestalten sich dementsprechend anstrengend. Bei langer Anreise empfiehlt sich eine Übernachtung in Sillian.
  • Auf dem Parkplatz der Leckfeldalm konnten wir freundlicherweise den Van für die Dauer der Tour kostenlos parken.
volle Distanz: 12.26 kmMaximale Höhe: 2658 m
Minimale Höhe: 1881 m
Gesamtanstieg: 728 m
Gesamtabstieg: -1105 m

Der zweite Tag startet bei strahlendem Sonnenschein mit einem steilen Aufstieg hinauf zum Obstanser Sattel. Oben eröffnet sich ein Panorama mit Blick auf die Drei Zinnen und die gleichnamige Hütte. Der Karnische Höhenweg kreuzt jetzt entlang des Kamms immer wieder die österreichisch-italienische Grenze – über die Pfannspitze und vorbei am Großen Kinigat (Monte Cavallino).
Für die Mittagspause ist die Filmoor Standschützenhütte ideal gelegen, hier serviert ein sympathisches Team hervorragendes Essen. Die Zutaten dafür werden jeden Tag zu Fuß auf die Hütte befördert.
Nach der Pause geht es mit einem Abstieg weiter ins Leitnertal zum Oberen Stuckensee. Hier kannst du ein Bad nehmen oder einfach etwas in der Sonne entspannen. Der nun folgende Aufstieg führt zum Heretriegel, von hier siehst du auf der gegenüberliegenden Seite schon die Porzehütte. Der Abstieg dorthin zieht sich zwar noch etwas, entschädigt aber mit schönen Blicken ins Tal. Die Porzehütte wird mit dem Auto versorgt, die Auswahl an Speisen, Getränken und sogar Kuchen ist also groß.

volle Distanz: 17.94 kmMaximale Höhe: 2498 m
Minimale Höhe: 1850 m
Gesamtanstieg: 1333 m
Gesamtabstieg: -1412 m

Der heutige Abschnitt – der längste der Tour – beginnt mit einem steilen Aufstieg von der Porzehütte zum Tilliacher Joch und führt dann weiter auf das Bärenbadegg und den Reiterkarspitz.
Auf unserer Tour waren für den Nachmittag mögliche Gewitter vorhergesagt. Als der Himmel zuzog liessen wir also die am Gamskofel geplante Mittagspause ausfallen. Über ausgesetzte Stellen mit Drahtseilsicherung geht es über das Hochspitzjoch und dann entlang der beeindruckenden Kammlinie weiter zum Luggauer Sattel. Während eines lang gezogenen Abstiegs führt der Weg von hier entlang der Wand des Lesachtals bis zum Hochweißsteinhaus. Nach dieser langen Etappe kommen das leckere Essen und das Zimmer gerade recht.

Tipps:

Unterwegs gibt es keine Möglichkeit einzukehren, auch Bäche werden nicht gekreuzt. Du solltest also ausreichend Wasser und Verpflegung mitnehmen.

Mitten in der Nacht weckt uns plötzlich lauter Donner. Beim Blick aus dem Fenster erhellen Blitze die Umgebung … die Hütte befindet sich mitten in einem hangabwärts ziehenden Gewitter! Nach einem Stoßgebet zu den Blitzableitern genießen wir ein unvergleichliches Spektakel, das nach einigen Minuten auch schon wieder vorüber ist.
volle Distanz: 14.9 kmMaximale Höhe: 2015 m
Minimale Höhe: 1518 m
Gesamtanstieg: 1084 m
Gesamtabstieg: -976 m

Auch diese Etappe beginnt mit einem recht steilen Aufstieg: vom Hochweißsteinhaus geht es hinauf bis zum Öfnerjoch. Der folgende langgezogene Abstieg führt durch idyllischen Nadelwald und über grasbewachsene Hänge, unterwegs liegt auf der Alm Cra Fleons di sopra ein malerisch-verfallenes Gehöft. Dann beginnt ein langer Anstieg, unterwegs lädt der einsame Bergsee am Sissani Pass zu einer kurzen Pause ein.
Nach einem Anstieg zum Sella Sissanis stehst du vor einem wunderschönen kleinen Bergsee, dem Lago Pera, an dem du links vorbeigehst. Sobald der Giramondopass überquert ist, folgt ein erneuter Abstieg bis zur Wolayeralm. Hier kannst du dich vor dem Aufstieg zum Wolayersee bei kühlen Getränken und leckeren hausgemachten Spezialitäten stärken. Jetzt gilt es noch einen lang gezogenen Aufstieg und 300 Höhenmeter zu bewältigen, bevor an der Wolayerseehütte der Blick auf Hohe Warte, Seewarte und Seekopf für den Tag belohnen. Die Hütte ist gut erschlossen, groß und modern und serviert gutes Essen bei Panoramablick auf den See.

Tipps:

Nur wenige Gehminuten von der Wolayerseehütte entfernt – auf der anderen Seite des Wolayer Pass – liegt auf italienischer Seite das Rifugio Lambertenghi Romanin. Hier gibt es leckeres italienisches Essen, eine willkommene Abwechslung.

volle Distanz: 7.98 kmMaximale Höhe: 2170 m
Minimale Höhe: 1213 m
Gesamtanstieg: 246 m
Gesamtabstieg: -1002 m

Der letzte Abschnitt auf dem Friedensweg ist leider kurz und recht schnell vorüber: Von der Wolayerseehütte geht es am Ufer des Wolayer Sees entlang und durch bizarre Felsformationen hinauf zum Valentintörl. Von hier hast du einen schönen Blick auf das Tal und die heraufziehenden Wolken.Über den Südhang des Rauchkogel geht es jetzt talwärts bis zur Oberen Valentinalm und von dort weiter zur Unteren Valentinalm. Bei einer Rast auf der Alm endet die Tour.

Tipps:

  • Kurz vor der Oberen Valentimalm befindet sich eine Murmeltierkolonie. Deren Bewohner zeigen sich – mit etwas Geduld – durchaus vor der Kamera.
  • Der Rücktransport von der Valentinalm kann mit dem Taxiservice der Leckfeldalm erfolgen.

Bilder von Stephan.

  • Angsthase am

    super fotos! mein mut verlässt mich ob dessen es euch gleich zu tun bereits virtuell ..

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    • Nico am

      Danke! Foto-Chef Stephan wird sich über die Blumen freuen. Deine Alternativtouren damals sahen auch ziemlich gut aus!

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