Tristesse in Nettuno

Langsam wird es anstrengend: Ganz Italien scheint musikalisch in den 80ern hängen geblieben zu sein. In Cafés, Restaurants, auf der Straße…, selbst in alternativen Bars tönen Bon Jovi, Brian Adams, 80s Pop, Italo Pop und Artverwandtes.

Suzanne Vegas‘ durchaus großartiges Luka passt perfekt in dieses Schema und erwischt uns auf unserer Radreise durch Italien in Nettuno, wo wir als einzige Gäste im kantinenartigen Restaurant des Hostels spätabends noch einen Absacker nehmen, während wir die Route für den nächsten Tag planen.

Der traurige Song gibt die Atmosphäre in Nettuno gut wieder: der Ort ist in erster Linie eine seelenlose Bettenburg die ihre besten Tage lange hinter sich hat, und fügt sich damit nahtlos in das Erscheinungsbild des Küstenabschnitts südlich von Rom ein. Auf gut 60 Kilometern reiht sich hier ein Touristenbunker an den Nächsten, wobei durchweg alles seit 30 Jahren konserviert zu sein scheint.
Uns wird während der ganzen Zeit nicht klar, ob sich die Gegend im April noch im prä-hochsaisonalen Koma befindet, oder ob hier einfach jeder auf die Rückkehr besserer Zeiten wartet.

Die einsame Bedienung bringt uns noch ein Bier bevor sie sich auf die Terrasse absetzt, um dort melancholisch rauchend aufs dunkle Meer zu starren.

Nettuno

Nettuno

Nettuno, Rom, Italien

Die endlose Hotellandschaft an der Küste südlich von Rom hat ihre besten Tage lange hinter sich

Schreibe den ersten Kommentar!