Messina – Palermo

Sonnenuntergang in Milazzo

Sizilien mit dem Fahrrad

Von der Hafenstadt Messina ging es weiter zur Insel-Hauptstadt Palermo, dem Endpunkt unserer Italienreise. Gefahren sind wir dabei die meiste Zeitauf der Küstenstraße SS113 direkt am Meer entlang.

Die sonnenverwöhnte Insel, inmitten von Ionischem, Tyrrhenischem und Mittelmeer, ist auf jeden Fall einen Bike-Trip wert! In unserem Reisezeitraum im April stand die Flora der Insel in voller Blüte und bot einen atemberaubenden Anblick.
An der grünen, mediterranen Nordküste zwischen Messina und Palermo wechseln sich langezogene Kiesstrände mit felsigen Kaps ab, dazwischen einige traumhafte Sandstrände und Buchten wie zum Beispiel bei den beliebten Badeorten Cefalù, Capo D’Orlando und Milazzo.
Immer in Blickweite: die schroffe Bergwelt Siziliens. Über 80 % der Inselfläche sind schließlich Berg- oder Hügelland.

Landstraße auf Sizilien

Palermo, die sizilianische Hauptstadt, fasziniert mit Ihrem morbiden Charme und ihrer riesigen Altstadt mit arabisch-normannischen Bauten, mittelalterlichen Palästen und barocken Kirchen. Die bewegte Vergangenheit der Stadt lässt sich im Inquisitionsmuseum oder der Kapuzinergruft erleben, bevor man sich abends ins quirlige Nachtleben der Stadt stürzt.

Auf jeden Fall lohnenswert: Ausflüge zu den Äolischen Inseln (Liparische Inseln), die seit dem Jahr 2000 zum UNESCO Weltnaturerbe gehören. Besonders beeindruckend ist ein Ausflug nach Stromboli zum einzigen dauerhaft aktiven Vulkan Europas.

Roadbook

volle Distanz: 266.03 kmMaximale Höhe: 484 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 4772 m
Gesamtabstieg: -4781 m

Anfangs kurz steil (flachere, längere Alternativstrecke möglich), danach kleinere Steigungen und moderat hügelig. Die meiste Zeit geht es auf verkehrsarmen Küstenstraßen an der sizilianischen Nordküste entlang. Nur kurz vor Palermo ist der Verkehr stärker. Der Streckenabschnitt ist durchgehend asphaltiert.

Highlights

  • Pasticceria „Irrera“ in Messina
  • Die sizilianische Küche
  • Stromboli – Insel mit aktivem Vulkan
  • Castello di Milazzo mit grandiosem Ausblick
  • Strand in Cefalu
  • Inquisitionsmuseum in Palermo
  • Street Art in Palermo
  • „Rocket Bar“ in Palermo

Die Tour "Messina – Palermo" in Etappen

volle Distanz: 47.12 kmMaximale Höhe: 484 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 916 m
Gesamtabstieg: -935 m

Die Strecke von Messina nach Milazzo war mit circa 50 Kilometern Länge eine der kürzeren der Italien-Tour von Verona nach Palermo.

Morgens ging es mit dem Rad auf die andere Inselseite nach Vilafranca Tirrena – circa zehn Kilometer lang ohne Serpentinen kräfteraubend  steil nach oben. Insgesamt 500 Höhenmeter gilt es auf der kurzen Strecke zu bewältigen. Dabei fährt man auf ländlichen, abgelegenen und sehr verkehrsarmen Strassen an vielen Bauernhöfen vorbei – und wird von den davor sitzenden Wachhunden genau ins Visier genommen und angebellt, wenn man im Revier stehen bleibt.

Oben auf dem Berg angelangt, wird man dann aber auch angemessen belohnt mit einem grandiosen Ausblick auf die ausgedehnten grünen, urwald-ähnlichen Waldgebiete und die sizilianische Nordküste – sowie einer langen, rasanten Abfahrt.  Genauso steil wie es gerade noch bergauf ging, geht es nun bergab bis zur Küste. Und die verlassen wir auch erst mal nichtmehr so schnell. Denn bis Palermo geht es die meiste Zeit direkt am Meer entlang.

Bis nach Milazzo verläuft die Strecke nun sehr flach an einem wenig reizvollen, unschön bebauten Küstenabschnitt und einem Chemiewerk entlang.

Tipps:

  • Unbedingt in Messina in der bekannten und sehr beliebten Pasticceria „Irrera“ auf dem Piazza Cairoli vorbeischauen! Die Auslage dort ist sehr beeindruckend und die Dolci wahre Kunstwerke. Auch wenn das Personal zumindest an dem Tag, als wir da waren, eher etwas unfreundlich und reserviert war.
  • Alternativ ist es auch möglich die flachere, aber längere Strecke an der Küste zu wählen und über Acquarone nach Milazzo zu radeln.
  • Die kleine, aber lebendige Hafenstadt Milazzo ist vor allem für ihre Fährverbindungen zu den Liparischen Inseln bekannt. Die sieben Vulkaninseln werden nach dem Griechischen Windgott Aiolos auch Äolische Inseln genannt und wurden im Jahr 2000 von der UNESCO zum ersten Weltnaturerbe Italiens erklärt. Auch wir haben hier einen Stopp eingelegt, um am nächsten Tag einen Ausflug nach Stromboli zu machen. Doch auch Milazzo selbst hat einiges zu bieten und besitzt einen schönen, mittelalterliche Stadtkern mit vielen kleinen Gassen und besonderem Flair. Besonders beeindruckt hat uns das imposante Castello di Milazzo, das auf einem Hügel über der Altstadt liegt. Das Stauferkastell ist eins der größten auf Sizilien. Abends hat man von dort einen umwerfenden Ausblick auf die Landzunge, auf der sich Milazzo befindet.
  • Übernachtungs-Tipp: Das schöne La Chicca Palace Hotel hat viel bunte Kunst an der Wand, super nettes Personal und liegt nur fünf Minuten vom Hafen entfernt.

Jetzt wird es feurig und explosiv! Denn wir haben einen Tagesausflug auf die Insel Stromboli gemacht, auf der sich der gleichnamige Vulkan befindet. Der 924 Meter hohe „Leuchtturm des Mittelmeeres“ ist der einzige permanent aktive Vulkan in Europa. Alle zehn bis zwanzig Minuten gibt es kleinere Eruptionen, bei denen er Gas, Asche und Lava ausspuckt.

Die Insel Stromboli hat eine Größe von circa 12,6 km² und etwas über 450 Einwohner. Auf der kleinen, beschaulichen Vulkaninsel gibt es lediglich zwei Dörfer, das größere Stromboli und das winzige, abgelegene Fischerdorf Ginostra mit nur circa 30 Einwohnern. Straßenbeleuchtung, Autos oder Busse findet man hier nicht. Zugelassen sind nur Elektrofahrzeuge und Vespa-Dreiräder – und selbst diese haben es manchmal schwer durch die engen Gassen zu gelangen.

Die Fähre startet bereits sehr früh um 7:20 Uhr und braucht circa drei Stunden von Milazzo bis Stromboli. Kein günstiges Vergnügen: Die Tickets haben wir am Vortag am Hafen für 90 Euro pro Person bei Ustica Lines gekauft.

Auf der Insel angekommen, werden einem bereits am Landesteg Hotelzimmer und private Übernachtungsmöglichkeiten angeboten. Wir hatten jedoch bereits ein Rückfahrticket gekauft. Diese Entscheidung sollten wir jedoch noch bereuen …

Die Landschaft auf Stromboli ist wunderschön. Überall blühen bunte Blumen, fliegen farbenfrohe Schmetterlinge und wuseln viele Eidechsen (das Wappentier der Insel). Die Zeit bis abends haben wir deshalb vor allem für ausgiebige Wanderungen über die idyllische Insel genutzt. Eine Karte erhält man im Tourist Office vor Ort. Darauf sind die Wege eingezeichnet, die man ohne Gefahr entlang wandern kann.
Dabei trifft man immer wieder auf Spuren der Vulkanaktivität wie verbrannte Erde sowie auf Schilder, die zeigen in welche Richtung man im Notfall fliehen sollte. Keinesfalls sollte man nämlich in Richtung Küste rennen, was wir instinktiv gemacht hätten. Doch keine Angst, natürlich wird der Vulkan genau überwacht und im Notfall gesperrt beziehungsweise die Insel gar nicht erst angefahren.

Stromboli Vulkan mit Lava Rutsche

Aus allernächster Nähe kann man das beeindruckende Naturspektakel jedoch seit einigen Jahren nur noch in einer geführten Gruppe beobachten. Nach größeren Eruptionen 2002 und 2003 ist der Aufstieg aus Sicherheitsgründen ab 400 m Höhe nur noch mit ortskundigem Guide erlaubt. Damals zerstörte die anschliessende Flutwelle Teile von Stromboli und die Insel musste für zwei Monate evakuiert werden.

Nur einmal am Tag, gegen 17 Uhr abends, startet die geführte Wanderung auf den Gipfel. In circa zwei Stunden geht es und 900 Höhenmeter hinauf. Sobald es dunkel wird, kann man deutlich die glühende Lava erkennen, die aus dem Krater geschleudert wird. Leider hatten wir uns vorab nicht genau erkundigt und bereits ein Rückfahrticket für den gleichen Tag gekauft.

Ausgesucht haben wir uns als Wanderung stattdessen einen Pfad oberhalb der Ortschaft Stromboli, der zunächst auf dem selben Weg verläuft wie die geführten Touren zum Gipfel, dann aber zu einer Aussichtsplattform abzweigt. Von dort aus hatte man einen wunderbaren Blick auf den Krater und die Sciara del Fuoco, die „Feuerrutsche“, auf der nach einer Eruption glühende Gesteinsbrocken vom Krater hinab bis ins Meer fallen. Deutlich spürt und hört man die einzelnen Ausbrüche, die sich durch ein lautes Grollen und beeindruckende schwarze Rauchwolken bemerkbar machen.

Nach einigen Eruptionen und Fotos machten wir uns auf den Rückweg und kehrten nochmal bei der Bar/Pizzeria L’Osservatorio ein. Der Name ist hier eindeutig Programm, denn man kann vom Tisch aus perfekt die Vulkanausbrüche beobachten – und dabei zum Beispiel eine leckere Pizza und einen Aperol Spritz genießen.

Ohne das Feuerspektakel erlebt zu haben, sind wir abends wieder mit der Fähre zurück aufs sizilianische Festland – und haben noch neidvoll die Gruppe betrachtet, die sich für den Anstieg auf den Vulkan bereit machte. Im nachhinein haben wir es schon sehr bereut, dass wir nicht auf der Insel übernachtet haben. Also macht diesen Fehler nicht auch und bucht unbedingt die spannende Nachtwanderung!

Auch die anderen Liparischen Inseln, die alle vulkanischen Ursprungs sind, sind natürlich einen Ausflug wert. Wir haben uns jedoch dafür entschieden, lieber am nächsten Tag weiter in Richtung Palermo zu radeln.

volle Distanz: 67.21 kmMaximale Höhe: 211 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 1761 m
Gesamtabstieg: -1769 m

Die Strecke von Milazzo nach Capo d’Orlando entlang der SS113 ist eher unspektakulär, obwohl sie meist direkt am Meer verläuft. Bis Oliveri ist es flach, dann gibt es ein paar Steigungen. Die letzten 20 Kilometer sind wieder komplett flach.

Mittags haben wir im Freien in einem kleinen Ort auf einer Bank am Meer gepicknickt. Da dieses Konzept jedoch, wie uns aufgefallen ist, in Italien weniger bekannt ist, kam sogleich eine ältere Dame anspaziert, die uns für Landstreicher hielt. Sie wollte am liebsten, dass wir  weiterziehen und ermahnte uns eindringlich, dass wir unseren Müll auch ja wegräumen müssen.

Unser Zielort, Capo d’Orlando, ist ein sehr touristischer Ort direkt am Meer, der nicht besonders sehenswert ist. Anders als im restlichen Italien ist die Stadt voll von miserablen Fast Food-Restaurants. Ausgelegt ist hier alles, wie es scheint, auf reine Party-Touristen, die zum Feiern herkommen.
Abends waren wir nach einiger Suche in einer Art Schnell-Pizzeria und hatten das einzig schlechte Essen unseres ganzen Italien-Trips. Auch Sehenswürdigkeiten haben wir keine besichtigt, wobei der Ort wohl ein Schloss aus dem 14. Jahrhundert hat.

volle Distanz: 79.33 kmMaximale Höhe: 84 m
Minimale Höhe: 4 m
Gesamtanstieg: 1418 m
Gesamtabstieg: -1416 m

Weiter ging es nach Cefalù – flach bis leicht hügelig immer an der Küste entlang.

Cefalù ist eine schöne kleine Küstenstadt  mit einem beliebten Stadtstrand und circa 15 Tausend Einwohnern. Sie liegt am Fuß des Hausbergs „Rocca di Cefalù“, einem 270 Meter hohen Kalkfelsen zwischen Palermo und dem Capo d’Orlando.
Der Fußweg auf den Hausberg wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Außerdem befinden sich auf ihm Spuren aus prähistorischer und antiker Zeit, wie zum Beispiel der Dianatempel aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. oder die Chiesa di Sant’Anna, eine byzantinische Kapelle aus dem 7. Jahrhundert.

Für viele zählt Cefalù zu den Hauptattraktionen Siziliens, vor allem wegen des imposanten Normannendoms. Deshalb ist die Stadt leider auch sehr touristisch. Der Platz vor dem Dom und das umliegenden Gassgengewirr haben dennoch eine ganz besonderen Flair.

Übrigens: Der Okkultist und Mystiker Aleister Crowley unterhielt in Cefalù die Abtei von Thelema, bis ihn 1923 Mussolini des Landes verwies. 1988 wurden in Cefalù Teile des international ausgezeichneten Films „Cinema Paradiso“ unter der Regie von Giuseppe Tornatore gedreht.

volle Distanz: 33.96 kmMaximale Höhe: 122 m
Minimale Höhe: 3 m
Gesamtanstieg: 446 m
Gesamtabstieg: -450 m

Teilweise hügelig, teilweise flach ging es von Cefalù aus weiter nach Palermo, der Hauptstadt Siziliens und dem Endpunkt unserer Italien-Tour. Da es extrem windig und die Strecke zum Schluß leider auch stärker befahren war, haben wir vorzeitig abgebrochen. In Termini Imerese sind wir in die Bahn gestiegen und weiter nach Palermo gefahren. Den Rest des Tages haben wir für Sightseeing genutzt.

In Palermo sind wir noch zwei Tage geblieben, um uns die schöne Küstenstadt genauer anzuschauen und nochmals kurz am Meer zu entspannen, bevor es wieder nach Hause ging.
Vorgestellt hatten wir sie uns aufgrund der Lonely Planet Beschreibung jedoch ganz anders …

Diese Route ist Teil der Tour
Life is a Bici! - Von Verona nach Palermo mit dem Fahrrad

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