Alpenüberquerung auf dem E5

Alpenüberquerung auf dem E5

Alpenüberquerung auf dem Europa-Wanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran

Die Alpenüberquerung auf dem E5 ist ein Klassiker und führt durch sehr schöne und abwechslungsreiche Bergregionen. Die Tour startet in der grünen Voralpenlandschaft des Allgäus, weiter geht es über die steilen Wände des Lechtals bis hin zu den Gletschern im Pitztal und schließlich ins sonnige Südtirol.
Unterwegs werden fünf Bergketten und sechs Täler durchquert, wobei circa 10.000 Meter im Aufstieg und 9.800 Meter im Abstieg zu bewältigen sind.

Dieser Abschnitt des Europawanderwegs 5 ist nicht zuletzt bei Einsteigern beliebt, entsprechend häufig ist er begangen. In der Hochsaison von Mitte August bis Ende September sind einige Hütten immer wieder überfüllt. Auf dem Weg selbst verteilen sich die Massen aber.

Vernagt-Stausee am Ende der Alpenüberquerung

Es ist auf dem E5 möglich, während der Alpenüberquerung nur in Hütten zu übernachten. Wir empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen: Der fast dauerhafte Aufenthalt im Hochgebirge trägt viel zur besonderen Atmosphäre der Tour bei, während die Orte in den Tälern wie Fremdkörper erscheinen. Alternativ sind aber auch Übernachtungen in Hotels in den Tälern möglich.
Außerdem ermöglichen es diverse Angebote, die Strecke teils zu vereinfachen: An einigen Stellen kann der Gepäcktransport mit einer Materialseilbahn genutzt werden und lange Talebenen lassen sich mit Bus oder Taxishuttle verkürzen.

  • Viele Wandergruppen starten in der Regel am Samstag, Sonntag oder Montag in Oberstdorf. Deshalb startest du besser an einem der anderen Wochentage.
  • Die Tour ist gerade in den Sommermonaten sehr beliebt. Wer nicht auf die Notlager der Hütten angewiesen sein will, sollte die Übernachtungen rechtzeitig reservieren.
  • Du solltest auf Wetterumschwünge, Schneefall (auch im Sommer), ausgesetzte Wegpassagen und kleinere Verletzungen vorbereitet sein.
  • Für die Planung hilfreich war der Rother Wanderführer für den E5.

Als Abschluß der Alpenüberquerung winkt ein verlängerter Aufenthalt in der südtiroler Kurstadt Meran. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu entspannen oder weitere Höhenmeter auf dem Meraner Höhenweg oder dem Tappeiner Höhenweg zu machen.

Die Alpenüberquerung auf dem E5 genießt ihren Klassikerstatus zu Recht: Durch extrem beeindruckende und abwechslungsreiche Landschaft überquerst du die Alpen und bereust am Ende, dass die Woche so schnell vorüber ist.

Roadbook

volle Distanz: 139.1 kmMaximale Höhe: 3018 m
Minimale Höhe: 759 m
Gesamtanstieg: 8775 m
Gesamtabstieg: -7894 m

Die Alpenüberquerung führt in sechs Etappen von den Allgäuer Alpen über die Lechtaler Alpen hinauf in die wilde Ötztaler Gletscherwelt, dann über die Grenze des Similaunpasses nach Italien ins malerische Schnalstal.
Zwei Talbabschnitte – zusammen 43 Kilometer – wurden zum Überbrücken längerer, wenig schöner Straßenabschnitte mit Bus oder Shuttle abgekürzt, diese sind auf der Karte lilafarbig.
Technisch ist die Route für Einsteiger geeignet: An manchen Stellen sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt, schwierige Stellen sind aber gesichert. Technisches Hilfsgerät ist an keiner Stelle notwendig und der Weg ist meist gut markiert.

Die Tour "Alpenüberquerung auf dem E5" in Etappen

volle Distanz: 14.52 kmMaximale Höhe: 1853 m
Minimale Höhe: 808 m
Gesamtanstieg: 1201 m
Gesamtabstieg: -156 m

Die erste Etappe der Alpenüberquerung beginnt am Bahnhof in Oberstdorf, bevor wir nach circa 20 Minuten das Flussbett der Trettach erreichen. Der E5 ist gut ausgeschildert und führt nun durch das Trettachtal nach Spielmannsau.
Ein Großteil der Höhenmeter dieser Etappe verteilt sich auf die kommenden Kilometer und nach circa 1,5 Stunden Gehzeit ist die kleine Kapelle am Sperrbachtobel ein beliebter Platz zum Rasten.
Auf dem letzten Abschnitt wird die Baumgrenze überschritten und die hochalpine Berglandschaft eröffnet sich in voller Pracht.
In der Kemptner Hütte mit ihren knapp 300 Schlafplätzen serviert die nette Crew leckeres Essen. Das Wasser in den Duschen wird durch Solarkollektoren erwärmt und ist deshalb nicht immer verfügbar.

Tipps:

  • Den Proviant für die Tour kannst du in Oberstdorf mit leckeren regionalen Spezialitäten aufstocken.
  • Bei Regen ist auf den teils rutschigen Wegpassagen mit den wenigen Ausweichmöglichkeiten Vorsicht geboten.
  • Der Charme dieser Etappe liegt in ihrem Abwechslungsreichtum: besiedeltes Gebiet, Felder, Flüsse, Täler und Wald wechseln sich ab mit Wasserfällen und idyllischen Gebirgswiesen.
volle Distanz: 24.77 kmMaximale Höhe: 2226 m
Minimale Höhe: 1072 m
Gesamtanstieg: 1633 m
Gesamtabstieg: -1288 m

Kurz nach Verlassen der Kemptner Hütte überschreiten wir beim Mädelejoch die deutsch-österreichische Grenze und verlassen die Allgäuer Alpen. Nun folgt ein teils steiler Abstieg bis zur Roßgumpenalm. Ab hier verläuft der Abstieg flacher und der Weg führt vorbei am Simms-Wasserfall durch den Naturpark Lechtal bis nach Holzgau.
Um unspektakuläre 14 Kilometer flache Strecke entlang der Asphaltstraße zu sparen, nehmen wir das Taxi-Shuttle bis zum Parkplatz der Memminger Hütte. Von hier sind noch 800 Höhenmeter zu bewältigen, dabei eröffnet sich ein schöner Blick auf das zurückliegende Madautal und die Lechtaler Alpen.
An der Memminger Hütte kreuzen sich E5, Adlerweg und Lechtaler Höhenweg, dementsprechend viel ist hier los.

Tipps:

  • Wenn du einen Umweg nimmst, kannst du vor Holzgau die  205 Meter lange Hängebrücke über das Höhenbachtal in der schwindelerregenden Höhe von 125 Meter überqueren. Der Boden besteht dabei aus einem Stahlgitter, so dass du den Abgrund stets vor Augen hast.
  • In Holzgau liegt vor dem Gasthof Bären die Shuttle Station eines Taxiunternehmens. Regelmäßig fährt ein Taxi für maximal 8 Personen zum Parkplatz der Memminger Hütte. Es gibt auch einen Linienbus bis Bach.
  • Bei Bedarf kannst du am Parkplatz der Memminger Hütte eine Materialseilbahn für den Gepäcktransport rufen.
volle Distanz: 14.14 kmMaximale Höhe: 2575 m
Minimale Höhe: 759 m
Gesamtanstieg: 442 m
Gesamtabstieg: -1911 m

Bei moderatem Anstieg geht es von der Memminger Hütte vorbei an türkisfarbenen Bergseen hinauf bis zur Seescharte. Über Geröllhügel und Rinnsale bewegt sich die E5 Kolonne auf diesem stark begangenen Streckenabschnitt hinab bis zur kleinen Unterlochalm.
Nun geht es auf Wiesenwegen am Fluss entlang bergab, bevor wir die Märchenwiese überqueren, eine idyllische Lichtung, umgeben von mit Moos und Pilzen bewachsenen Bäumen. Der jetzt folgende Pfad durch dichten Wald wird beim Abstieg allmählich lichter und breiter und aus der Ferne vernehmen wir das mittlerweile ungewohnte Tosen der Zivilisation.
Die Ankunft in Zams erfolgt nach einem Abstieg über steile Serpentinen. Am Ortsende liegt die Bodenstation der Venet Bergbahn, von deren Mittelstation erreichen wir die Schihütte Zams in wenigen Minuten.

Tipps:

  • Ist geplant den Venet noch am Ende dieses Tages zu erklimmen, solltest du sehr früh starten.
  • Von der Seescharte hast du einen tollen Blick ins Zamser Loch und auf die Gipfel Biberkopf, Hohes Licht, Mädelegabel und Großer Krottenkopf, vorausgesetzt das Wetter spielt mit.
  • Auf der Unterlochalm gibt es eine Jausenstation. Ist diese geschlossen, folgen bis Zams keine weiteren Einkehrmöglichkeiten.
  • In Zams empfängt den Wanderer ein Verkaufsstand mit Brechbrot, Kaminwurz und Käse. Im Ortsinneren können die Vorräte beim Bäcker, in der Käserei oder in den Supermärkten aufgefrischt werden.
  • Die Schihütte Zams wird von einem superfreundlichen Team in familiärer Atmosphäre betrieben. Ein reichhaltiges (auf Wunsch veganes) Buffet, Wäscheservice, warme Dusche und Bett vermitteln das Gefühl von purem Luxus.
  • Alternativ zur Übernachtung in der Schihütte kannst du entweder direkt im Ort schlafen oder mit der Bergbahn bis zur Endstation auf die Veneter Gipfelhütte mit Panoramarestaurant fahren. Nur Schihütte und Gipfelhütte bieten jedoch den wunderschönen Blick vom Krahberg auf das Zamser Loch.
volle Distanz: 48.12 kmMaximale Höhe: 2738 m
Minimale Höhe: 936 m
Gesamtanstieg: 2725 m
Gesamtabstieg: -1736 m

Von der Skihütte Zams geht es entlang einer Skipiste steil bergauf bis auf den Gipfel des Krahberg. Hier startet eine Gipfel-Tour über das Wannejöchl bis zum Kreuzjoch. Die spektakulären Ausblicke auf Ötztaler Alpen, das Pitztal und das Kaunertal entschädigen für die teils fordernden Steigungen. Es folgt ein Abstieg von 1.400 Höhenmetern, in dessen Verlauf die Larcher Alm zu einer kleinen Pause einlädt.
Von Wenns aus fährt der Postbus regelmäßig die 29 Kilometer durch das wunderschöne Pitztal bis nach Mitteltal. Hier beginnt an der Gletscherstube der Aufstieg auf dem Jägersteig, auf dem noch einmal ca. 1.000 Höhenmeter bis zur Braunschweiger Hütte bewältigt werden müssen.

Tipps:

  • Vom Krahberg nach Wenns gibt es auch eine einfachere Alternativroute entlang des Venet-Massivs und über die Gogles Alm.
  • Vor dem Aufstieg zur Braunschweiger Hütte kannst du bei Bedarf an der Gletscherstube eine Materialseilbahn für den Gepäcktransport rufen.
volle Distanz: 24.31 kmMaximale Höhe: 2988 m
Minimale Höhe: 1888 m
Gesamtanstieg: 1236 m
Gesamtabstieg: -1477 m

Die heutige Etappe beginnt mit einem Aufstieg von der Braunschweiger Hütte über steinige, ausgesetzte Stellen auf knapp 3.000 Meter zum Pitztaler Jöchl. Dann folgt der Abstieg über ein Schneefeld zum Restaurant Rettenbachgletscher.
Es empfiehlt sich, von hier den Bus durch den Rosi-Mittermeier-Tunnel (Europas höchstgelegener Autotunnel) zum Parkplatz am Tiefenbachgletscher zu nehmen.
Entlang der Bergseite geht es weiter bis zum Weißkarsee, an dem eine kurze Pause beeindruckende Blicke auf die Stubaier Alpen ermöglicht.
Über grüne Wiesen geht es auf dem sehr schönen Venter Panoramaweg immer leicht bergab bis nach Vent im Tal.
Der Aufstieg von Vent ist gut ausgeschildert und geht über den Spiegelbachweg vorbei an verlassenen Schäferhütten. Bei kontinuierlicher leichter Steigung erreichen wir schließlich die Martin-Busch-Hütte.

Tipps:

  • Die Wartezeit auf den Bus am Rettenbachgletscher lässt sich am Besten mit einem Frühstück im Restaurant in der Liftstation verkürzen.
  • Ist kein Schlafplatz in der Martin-Busch-Hütte vorreserviert, empfiehlt sich die Übernachtung in Vent. Die Etappe von der Martin-Busch-Hütte nach Vernagt ist auch von hier aus machbar.
  • Direkt an der Martin-Busch-Hütte lebt eine Murmeltier Kolonie.
volle Distanz: 10.29 kmMaximale Höhe: 3018 m
Minimale Höhe: 1695 m
Gesamtanstieg: 510 m
Gesamtabstieg: -1324 m

Die letzte Etappe der Alpenüberquerung führt von der Martin-Busch-Hütte vorbei an der Abzweigung zur Ötzi-Fundstelle, aufwärts bis zur Similaunhütte, mit 3.019 Meter der höchste Punkt der gesamten Tour. Hier eröffnet sich ein beeindruckender Panoramablick auf die Ötztaler Alpen und den 1.300 Meter unter uns liegenden Vernagt-Stausee.
In ewigen Serpentinen geht es jetzt, bald über satte Wiesen, in Richtung Baumgrenze, bevor wir schließlich das Ufer des Sees erreichen. Direkt an der Straße liegt eine Bushaltestelle. Von hier fährt der Linienbus nach Meran.

Tipps:

  • Auf dem Weg zur Similaunhütte kannst du einen  Umweg über die Ötzi-Fundstelle machen. Hier genießt du den Blick auf den Similaun, das Ötztal und die Ötztaler Alpen.
  • Oberhalb des Vernagt-Stausees sind einige bewirtschaftete Hütten, in denen du auf das Ende der Tour anstoßen kannst. Die Wirte geben auch gerne Auskunft über die Abfahrzeit der Busse.

Weil’s so schön war… Finale auf dem Meraner Höhenweg

volle Distanz: 6.9 kmMaximale Höhe: 1577 m
Minimale Höhe: 1369 m
Gesamtanstieg: 418 m
Gesamtabstieg: -306 m

Falls die letzte Etappe zum Vernagt-Stausee zu kurz erschien, bietet sich eine kleine Verlängerung auf dem Meraner Höhenweg mit seinem grandiosen Blick in den Talkessel an.
Dazu verlässt du den Bus in Naturns, besteigst die Nostalgie-Seilbahn und findest dich kurz darauf auf dem Meraner Höhenweg wieder. Die 7 Kilometer bis zu den Muthöfen sind wenig anstrengend, bestechen aber durch einen wunderschönen Ausblick.
Vom Ziel fährt eine Seilbahn hinunter nach Dorf Tirol, von dort pendeln Busse in die Meraner Innenstadt.

Das Klima in Meran zählt zu den mildesten im deutschen Sprachraum. Feigenbäume, Palmen und Oleanderbüsche versprühen südlichen Flair, umgeben von Alpenpanorama. Was könnte es Schöneres geben, als nach einer Alpenüberquerung in der Kurstadt die Batterien aufzuladen und hier noch etwas zu verweilen.

Blick auf Meran

Übernachten kannst du zentral und kostengünstig in der Jugendherberge. Von hier aus erreichst du schnell die an der Passer gelegene Kurpromenade. Diese verbindet die elegante Therme mit großem Spabereich, das imposante Theater, zahlreiche historische Gebäude, prunkvolle Hotelfassaden und das Kurhaus. Zahlreiche Cafés und Bars laden zum Verweilen ein.
Wer es ein wenig ruhiger mag, findet auf die Rückseite der Promenade viele weitere Gelegenheiten für eine Rast oder sollte sich den Thermenpark ansehen (abends geschlossen).
Linksseitig vom Jugendstil-Kurhaus liegt die belebte Innenstadt mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, rechtsseitig führt die Brücke der Via Roma zum Start auf einen Rundweg durch den Kurpark.
Das am Park gelegene Wohnviertel ist einen Abstecher wert: Mondäne Villen, ausladende Landsitze und exponiert gelegene Güter mit kleinen Schlosstürmchen werden von kleinen Parkanlagen eingefasst. Schmale Fusswege und enge Gassen eröffnen Einblicke in eine andere Welt.
Später lohnt es sich, nach einem Essen in der Pizzeria La Smorfino, den Abend an der Passer ausklingen zu lassen. Im Sommer finden hier zahlreiche Veranstaltungen am Vorplatz der Therme statt.
Für Ausflüge in die Umgebung bietet sich eine Wanderung auf dem Meraner Höhenweg oder dem Tappeiner Höhenweg an. Sehr nah liegen auch das blumige Schenna und das kleine Dorf Tirol über den Dächern Merans.

Bilder von Stephan

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