Triglav Nationalpark in Slowenien

Blick von der Prehodavcih Hütte im Triglav Nationalpark, Slowenien

Die Julischen Alpen in Slowenien (und Italien) zählen zu den schönsten und ursprünglichsten Wandergebieten in den Alpen. Bisher ziehen sie jedoch nur eine überschaubare Zahl an Touristen an; ideal also für eine mehrtägige Wanderung im Spätsommer um Land und Leute kennen zu lernen.

Um entspannt in Slowenien anzukommen und abschließend nicht sofort (sozusagen noch in Wanderschuhen) abreisen zu müssen, wurden zusätzliche Puffertage eingeplant: Anfangs für die lebendige European Green Capital Ljubljana und einige Sehenswürdigkeiten, am Ende für den la dolce vita Ausklang an der Adriaküste von Triest.
Diese Tour hatte also alles, von völliger Abgeschiedenheit weit oberhalb der Baumgrenze bis hin zu urbaner Geschäftigkeit am Mittelmeer. Dazwischen die verschiedensten Vegetationszonen, beeindruckende Karst-Formationen und unglaubliche Panoramen.

Blick auf den Bohinj See

Die Wanderung durch den Triglav Nationalpark wird oft in weniger Etappen bewältigt. Wir hatten uns jedoch für eine großzügige Zeitplanung entschieden, um spontane Abstecher auf umliegende Gipfel machen und um Natur und Menschen ohne Zeitdruck kennenlernen zu können. Das erlaubte uns zum Beispiel auf der Etappe nach der Sieben-Seen-Hütte eine längere Alternativroute über den Veliko Špičje zu wählen, was sich als einer der – schweißtreibenden – Höhepunkte der gesamten Tour herausstellte.

  • Die Hüttenübernachtungen wurden vorab reserviert, wobei keine der Hütten voll belegt zu sein schien. Die Hüttenbetreiber waren zum Großteil überaus freundlich, hilfsbereit und sprachen durchweg Englisch.
  • Die Hälfte unserer Gruppe ernährt sich vegetarisch, was keine der Hütten vor ein Problem stellte, auch wenn teilweise kulinarisch Abstriche gemacht werden mussten.
  • Die Preise für Übernachtungen und Verpflegung sind mit denen auf deutschen Hütten vergleichbar; Mitglieder des DAV erhalten Rabatt bei den Übernachtungen.

Slowenien hat uns völlig begeistert: Die Menschen scheinen anfangs oft spröde, sind nach einer kurzen Aufwärmphase aber meist super freundlich. Die Landschaft in den Julischen Alpen ist atemberaubend und wurde durch die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten sowie den Abstecher zum Meer perfekt ergänzt. Selten war eine Reise derart von völlig unterschiedlichen Eindrücken geprägt.

Roadbook

volle Distanz: 47.4 kmMaximale Höhe: 2851 m
Minimale Höhe: 574 m
Gesamtanstieg: 3722 m
Gesamtabstieg: -3918 m

Die landschaftlich abwechslungsreiche Wanderung führt über saftige Wiesen, durch Laub- und Nadelwälder, lässt schließlich die Vegetationszone hinter sich und ermöglicht im hochalpinen Bereich spektakuläre Ausblicke.
Oft müssen auf dem Weg ausgesetzte Stellen (mit Stift- oder Seilsicherung) bewältigt werden, spätestens für die Besteigung des Triglav empfiehlt sich eine Klettersteigausrüstung. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit werden zwingend vorausgesetzt.

Highlights

  • Metelkova in Ljubljana
  • Postojna Höhle und die Höhlen von Škocjan
  • Kammwanderung über den Veliko Špičje
  • die atemberaubende Lage der Prehodavcih Hütte
  • Besteigung des Triglav
  • Ausspannen in Triest

Die Tour "Triglav Nationalpark in Slowenien" in Etappen

Nach der Anreise nach Ljubljana bleibt Zeit für etwas Sightseeing in der slowenischen Hauptstadt, wo in den Sommermonaten das jährliche Musikfestival stattfindet. Überall in der Innenstadt finden sich dann Open Air Bühnen, auf denen kostenlose Jazz- und Klassik-Konzerte gegeben werden.
Wir übernachten im stylishen Hostel Celica auf dem Metelkova Areal, dem subkulturellen Brennpunkt Sloweniens mit all seinen Bars und beeindruckender Streetart. Nachts erleben wir einen versuchten Übergriff slowenischer Nationalisten (deren Demonstrationszug wir bereits tagsüber bemerkt hatten), der von den Metelkova Bewohnern jedoch schnell zurückgeschlagen wird.

Metelkova in Ljubljana, Slowenien

Für den nächsten Tag haben wir mit der Postojna Höhle ein extrem beeindruckendes – und in gleichem Maße touristisches – Ziel auf dem Plan. Die Besucher werden hier dutzendweise mit einer Schmalspurbahn ins Innere der zweitgrößten Tropfsteinhöhle der Welt gekarrt, der Anblick dort entschädigt jedoch für alles: Tausende Stalagmiten und Stalagtiten machen das riesige Höhlensystem zu einem phantastisch-psychedelischen Labyrinth und versetzen den Besucher in eine andere Welt.

In 10 Kilometern Entfernung befindet sich die Höhlenburg Predjama, eine Wehranlage aus dem 12. Jahrhundert, die teilweise in den Fels gebaut wurde und dank ihrer spektakulären Lage bereits in einigen Filmen zu sehen war sowie als Vorlage für eine Map in Counter Strike: Global Offensive diente.
Im Burgmuseum verblüfft unter anderem die Tatsache, dass die Festung einst nur durch ein gezieltes Attentat auf den Burgherrn während seines Gangs auf den exponierten Donnerbalken eingenommen werden konnte.
Beeindruckt von der Treffsicherheit mittelalterlicher Katapulte beschließen wir den Tag in Ukanc am Bohinjsee, dem Startpunkt unserer Wanderung.

volle Distanz: 5.39 kmMaximale Höhe: 1510 m
Minimale Höhe: 690 m
Gesamtanstieg: 869 m
Gesamtabstieg: -129 m

Eine kurze Etappe zum Einstieg: Nach einem Abstecher zum Savica Wasserfall folgt der steile Aufstieg zur Komni Hütte (Dom Na Komni). Der Weg verläuft dabei fast vollständig in schattenspendem Wald. Gelegentlich eröffnen sich malerische Ausblicke auf die Umgebung.

Tipps:

  • Der Linienbus zum Savica Wasserfall hält direkt am Beginn des Aufstiegs.
  • Von der Komni Hütte hat man einen großartigen Ausblick auf den Bohinj See und die umliegenden Berge.
  • Die Betreiber sind super freundlich und das Essen ist sehr lecker. Die Option Halbpension wartet mit einem Überraschungs-Dessert auf.
  • Es gibt neben dem Schlafsaal auch 4- und 2-Bett Zimmer.
  • Der hausgemachte Triglav Kräuterschnaps ist nur für Freunde bitteren Genusses.
volle Distanz: 7.12 kmMaximale Höhe: 1714 m
Minimale Höhe: 1474 m
Gesamtanstieg: 431 m
Gesamtabstieg: -249 m

Die Etappe zur Sieben-Seen-Hütte (Koča pri Triglavskih jezerih) führt anfangs durch Mischwald, später wird die Landschaft von Krüppelkiefern und Wiesen geprägt.

Tipps:

  • Die kurze Strecke lässt genug Zeit die Karst-Formationen sowie die Flora und Fauna des Sieben-Seen-Tals zu genießen.
  • Der östliche Kamm des Tals lässt sich durch eine idyllische Rundwanderung erkunden.
  • In der Sieben-Seen-Hütte bietet sich bis zur Vodnik Hütte 3 Tage später letztmalig die Gelegenheit, warm zu duschen.
volle Distanz: 6.74 kmMaximale Höhe: 2346 m
Minimale Höhe: 1696 m
Gesamtanstieg: 801 m
Gesamtabstieg: -438 m

Anstatt der kurzen Talroute zur Prehodavcih Hütte (Zasavska koča na Prehodavcih) zu folgen, wählen wir die wenig begangene Kammroute über den Veliko Špičje und erleben damit eines der Highlights der Tour: Nach dem Durchqueren märchenhafter Wälder folgt ein steiler Aufstieg – teils mit Seilsicherung und von Klettersteigen kaum zu unterscheiden.
Auf dem Kamm eröffnet sich ein atemberaubender Ausblick auf die umliegende Bergwelt, bevor der Weg über eine gigantische Felsplatte zur Hütte führt.

Tipps:

  • Die Route über den Veliko Špičje setzt Schwindelfreiheit voraus, liefert aber unvergessliche Eindrücke.
  • Auf dem Kammweg finden sich viele scharfkantige Felsen, Handschuhe sind hier nützlich.
  • Die Lage der Prehodavcih Hütte ist malerisch: Im Osten durch einen Kamm geschützt eröffnet sich auf der Westseite ein Panoramablick aus der Vogelperspektive über mehrere Täler. Der Blick auf den Sonnenuntergang ist unbeschreiblich.
  • Wasser zum Waschen kommt aus einem Regenwasser-Reservoir. Hat es lange nicht geregnet, wird es … schwierig. Trinkwasser kann an einer etwas entfernt gelegenen Quelle aufgefüllt werden.
volle Distanz: 9.26 kmMaximale Höhe: 2512 m
Minimale Höhe: 2010 m
Gesamtanstieg: 953 m
Gesamtabstieg: -510 m

Nach einem steilen Anstieg zum Hibarice Sattel folgt der Abstieg durch ein Schotterfeld bis zur Dolic Hütte, die pausengerecht etwa in der Mitte der Strecke liegt.
Der anschließende Abschnitt führt unter anderem über eine klettersteigartige Stelle mit Seilsicherung und endet mit dem kurzen, steilen Aufstieg zur Planika Hütte.
Von dort geht es weiter zum Triglav Haus (Triglavski dom na Kredarici). Auf diesem letzten Abschnitt finden sich weitere ausgesetzte Stellen mit Seilsicherung, bevor ein letzter steiler Anstieg zur Hütte führt.

Tipps:

Zum slowenischen Nationalverständnis gehört, dass ein „echter Slowene“ mindestens ein Mal in seinem Leben auf dem Triglav gewesen sein muss. Das Triglav Haus ist die meistfrequentierte Basisstation für diesen populären Aufstieg und dementsprechend unterscheidet sich die Atmosphäre hier von der auf anderen Hütten: Für die bis zu 300 Übernachtungsgäste gibt es zahlreiche Schlafsäle und kleinere Zimmer, mit massivem chemischen Einsatz gereinigte sanitäre Anlagen sowie in einem Nebengebäude eine Kapelle.
Einige hier scheinen ihr Slowene-Sein recht ernst zu nehmen und als die Band mit der Quetschkommode das Triglav Lied anstimmt, gibt es kein Halten mehr.
Wer Wert auf eine etwas ruhigere Übernachtung legt, sollte vielleicht die Planika Hütte ins Auge fassen, von der aus der Aufstieg zum Gipfel auf zwei Alternativrouten möglich ist. Eine davon soll einen vergleichbaren Schwierigkeitsgrad wie der Aufstieg vom Triglav Haus haben und vereinigt sich sogar mit diesem Weg auf dem Plateau vor dem eigentlichen Gipfel.

Der Triglav Spezial Gipfelschnaps schmeckt als wäre er aus Bärenurin gebrannt, was aber zwei stiernackige Guides am Nachbartisch nicht davon abhält, sich damit systematisch die Lichter auszuschießen. Beide torkeln später – Stunden nach Bettruhe – lautestmöglich in ihre Lager und finden sich am nächsten Morgen pünktlich vor Aufstieg an der Bar wieder, um den Pegel auf Stand zu halten. Ihre zwei Kundinnen wirken wenig begeistert, zumal auch das Anlegen der Klettersteigausrüstung mit intensivem Körperkontakt einhergeht. Beide beweisen aber Gottvertrauen und machen sich mit ihren schwankenden Führern auf den Weg.
volle Distanz: 6.53 kmMaximale Höhe: 2851 m
Minimale Höhe: 1809 m
Gesamtanstieg: 508 m
Gesamtabstieg: -1193 m

Um bei unserem Aufstieg zum Triglav möglichst wenig „Gegenverkehr“ zu haben starten wir früh und stehen gegen 9 Uhr auf dem Gipfel. Der Klettersteig, der von der Hütte aus äußerst dramatisch wirkte, erwies sich als nicht wesentlich schwieriger als die ausgesetzten Stellen, die wir auf der Tour bisher bereits zu bewältigen hatten.
Der Himmel ist wolkenklar und die Aussicht atemberaubend. Als nach einer halben Stunde Wolken aufziehen, machen wir uns auf den Rückweg. Mittlerweile kommen uns größere Gruppen entgegen, was das Ausweichen entlang des Pfades manchmal schwierig macht. Am Triglav Haus angekommen macht sich die Anstrengung bemerkbar und wir legen eine Pause ein.

Der Weg zur Vodnik Hütte (Vodnikov dom na Velem polju) ist ein langgezogener Abstieg. Anfangs gibt es einige ausgesetzte Stellen mit Stift- oder Seilsicherung. Später schlängelt sich der Pfad durch Bergwiesen und Nadelwald bis zur idyllischen Hütte, die über einer Hochalm liegt und einen schönen Ausblick auf die darunter liegenden Täler bietet.

Tipps:

  • Mit etwas Glück lässt sich auf dem Triglav die „Slowenen-Taufe“ beobachten, die vermutlich das Ritual des Slowene-Werdens abschließt: Nach erfolgreicher Gipfelbesteigung beugt sich der Adept mit dem Kopf voraus in die kleine Gipfelhütte und kassiert währenddessen einen leichten Schlag mit einem Seil auf den Allerwertesten.
  • Der Gipfel ist gut bevölkert und das Verbreiten der Erfolgsnachricht mittels Telefon oder Videochat scheinbar Pflicht. Ebenso obligat: ein Foto neben der Gipfelhütte. Ein Verkäufer sitzt vor einem Stapel Getränkepaletten und bietet auch T-Shirts an.
  • In der Vodnik Hütte gibt es die erste warme Dusche seit Tagen und das Essen ist hervorragend!
volle Distanz: 11.95 kmMaximale Höhe: 1827 m
Minimale Höhe: 574 m
Gesamtanstieg: 149 m
Gesamtabstieg: -1381 m

Die letzte Etappe der Wanderung ist ein langer Abstieg bis hinunter nach Stara Fužina am Bohinj See. Im ersten Abschnitt führt der Weg durch Wald der aus einem Märchen zu stammen scheint. Später verläuft er entlang der malerischen Mostnica Klamm idyllisch bis fast an den See.

Tipps:

Direkt am Weg und am Ortsrand von Stara Fužina gelegen, bieten die Mavrica Apartments einen sanften Wiedereintritt in die Zivilisation. Die netten Betreiber sind selbst begeisterte Wanderer und begrüßen die Gäste mit einer reichhaltigen Auswahl selbstgebrannter Schnäpse. Neben dem Haus befindet sich eine Pferdekoppel und die Betten fühlen sich großartig an.

Heute das Kontrastprogramm zur Einsamkeit in den Bergen; es stehen gleich zwei Touristenmagneten auf dem Programm.
Die Vintgar Klamm in der Nähe von Bled ist auf einem ca. 30 minütigem Fußweg begehbar und bietet klares Gebirgswasser, beeindruckende Landschaft sowie Unmengen von Besuchern. Vielleicht etwas schöner als die gestrige Mostnica Klamm, aber zumindest gab es dort keine Staus auf den Wegen.
Die Höhlen von Škocjan sind zwar nicht minder touristisch, aber derart beeindruckend, dass man im Grunde zwei Stunden lang staunend und mit offenem Mund herumläuft. Es finden sich riesige Tropfsteine in bis zu 146 Meter hohen Höhlenkuppeln. Das Ganze ist in seinen Ausmaßen schlichtweg überwältigend. An den Wänden sieht man alte verfallene Erkundungswege und die aktuelle Wegführung ist dramatisch beleuchtet. Fans der Herr der Ringe Verfilmungen fühlen sich hier, als könnten die Wände jederzeit von Orcs wimmeln während Gandalf gegen das Balrog kämpft. Absolut unbeschreiblich! Leider ist das Fotografieren verboten.

Vintgar Klamm, Slowenien

Im nahe gelegenen Triest checken wir im unglaublichen Atelier Lidia Polla ein, einem wunderschön-exzentrisch eingerichteten Bed & Breakfast. Betreiberin Laura ist Restauratorin und hat die je 3 Apartments und Badezimmer des Ateliers renoviert und mit den Kunstwerken ihrer Mutter ausgestattet.
Wir nehmen einen Aperitif im Café San Marco und folgen dann Lauras Empfehlung für das Abendessen in der sehr guten, sehr günstigen Hostaria Strehler. Der Abend endet spät in einer Bar und auf der riesigen Terasse des Atelier Lidia Polla.

Bilder von Steffi und Stephan.

  • sonja am

    Hallo, könnte man die Tour auch mit weniger Übernachtungen gehen und was wären dann die Etappen bzw. in welchen Hütten bräuchten wir dann übernachtungen?

    Danke vorab. LG Sonja

    Antworten

    • Nico am

      Hi Sonja,
      die ersten beiden Etappen von Ukanc zur Sieben-Seen-Hütte kannst Du problemlos zusammenlegen. Du könntest auch versuchen, nicht in der Prehodavci Hütte zu übernachten und bis zur Planika Hütte oder zum Triglav Haus zu kommen, aber die Lage der Prehodavci Hütte ist spektakulär und der Sonnenuntergang dort war sehr beeindruckend, den solltest du nicht verpassen.
      Der Weg vom Triglav Haus nach Stara Fužina lässt sich sicher auch an einem Tag machen, wobei du die Triglav-Besteigung dann wahrscheinlich für den Vortag einplanen solltest.

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