Korsika auf dem GR 20

Wanderung auf dem GR 20 auf Korsika

„Sind das da vorne Wildschweine auf der Straße?!“ Bei der Fahrt zum Startpunkt unserer Wanderung auf dem GR 20 hatten wir kurz zuvor schon Esel überholt. Jetzt blockieren also Schweine den Weg. Die Tiere liegen entspannt auf dem Mittelstreifen in der Nachmittagssonne und machen keine Anstalten, die Fahrbahn zu räumen.
Wir genießen also ausgiebig den würzigen Duft nach Thymian und Lavendel und den Blick auf die korsischen Berge. Irgendwann verzieht sich die Rotte zufrieden grunzend in den Wald und die Fahrt auf den kurvigen, engen Straßen des Parc Naturel Régional de Corse kann weitergehen.

Als einer der spektakulärsten Wanderwege Europas führt der Grande Randonnée 20 (GR 20) durch blühende Täler, duftende Kiefernwälder und über alpine Gipfel. Immer wieder laden kleine Badestellen zu einer Pause ein. Dazu kommt an einigen Stellen die Aussicht aufs Mittelmeer … Kein Wunder, dass der Fernwanderweg seit Jahren immer beliebter wird. Von der „Verkehrsdichte“ anderer Klassiker wie der Alpenüberquerung auf dem E5 ist er aber weit entfernt.
Unterwegs begeistert die Vielfalt Korsikas: Idyllische Täler wechseln sich mit fordernden Anstiegen ab, immer umgeben von atemberaubenden Panoramen. Dabei entschädigen leckere Spezialitäten wie der korsische Schafskäse für alle Strapazen. Sie sind – meist hausgemacht – in den Hütten und Bergeries (Schäfereien) am Weg erhätlich.

Und die Wildschweine? Wie sich herausstellt leben Haustiere auf Korsika oft nicht in Ställen, sondern streifen halbwild auf der Insel umher. Die Hausschweine haben dabei keine Berührungsängste mit ihren wild lebenden Verwandten, wie teilweise Schwarzfärbungen des Fells zeigen. Am Wegesrand des GR 20 weiden so auch immer wieder Kühe und Ziegen weitab der Orte. An manchen Stellen empfangen sogar halbwilde Pferde die Wanderer.

Aufstieg vom Refuge de Manganu zum Brèche de Capitello

Wandern auf dem GR 20

Über 180 Kilometer zieht sich der GR 20 von Norden nach Süden durch die Berge auf Korsika. Der Wanderweg zählt zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Touren Europas. Wanderungen sind von Mitte Juni bis Ende Oktober möglich, denn nur dann sind die Berge weitgehend schnee- und eisfrei. Der Großteil des GR 20 führt durch den Naturpark Parc Naturel Régional de Corse, wo sich Korsika in seiner Vielseitigkeit und einzigartigen Schönheit zeigt.

Die Gehzeit für den kompletten GR 20 wird mit 15 bis 20 Tagen veranschlagt. Wir mussten hier leider auf einen fünftägigen Abschnitt verkürzen.
Diese Tour beginnt in der zweiten Hälfte des nördlichen GR 20 Abschnitts und lässt damit die Haut-Asco Etappe aus, auf der auch der Cirque de la Solitude liegt. In diesem Felskessel kamen 2015 sieben Wanderer bei einem Erdrutsch ums Leben. Der gefährliche Abschnitt wurde daraufhin von der Tour entfernt und durch eine Umgehung ersetzt.
Wir starten bei der nächsten Zustiegsmöglichkeit Col de Vergio. Die Strecke verläuft hauptsächlich im alpineren Nordteil und besteht aus einfachen sowie anspruchsvollen Bergwanderungen. Hin und wieder triffst du auf Kletterstellen und ausgesetzte Stellen.

Unterwegs gibt es einige Quellen und immer wieder Schutzhütten und Bergeries, die Essen und Getränke anbieten. Oft verkaufen sie hausgemachten Käse, während die Schafe nur einige Meter weiter weiden. Spätestens im Refuge de l’Onda unbedingt probieren!
Ausreichend Wasser und Verpflegung musst du natürlich trotzdem dabei haben, nicht zuletzt weil die Bergeries an manchen Tagen geschlossen sind.
Vegetarier sollten für den Notfall einige Trockenmahlzeiten mitnehmen. In den meisten Hütten gibt es zumindest vegetarische Optionen (mit extra viel Schafskäse), aber so richtig verbreitet ist das Konzept nicht.

Mitte Juni war der GR 20 stärker begangen als wir erwartet hatten, aber bei weitem nicht „überfüllt“. Die Wanderung ist ein internationales Erlebnis, unterwegs triffst du viele französische Wanderer, aber auch einige Deutsche, Österreicher, Briten und US-Amerikaner.

Markierung auf dem GR 20

Berghütten auf dem GR 20

Übernachtungen auf dem GR 20 buchst du problemlos über die Verwaltung des Parc Naturel Régional de Corse. Dabei kannst du auswählen, ob du in der Hütte schlafen oder nur einen Platz für dein Zelt mieten willst. Die Refuges bieten auch Leihzelte mit Isomatten an.
In den Hütten gibt es Matratzenlager, eine Isomatte wird hier also nicht benötigt. Einen Schlafsack hingegen brauchst du. Falls du Gewicht optimieren willst, könnte auch ein Hüttenschlafsack ausreichen: Die Schlafräume sind klein, vollgepackt und somit nachts heiß und stickig.
Der Hüttenstandard ist einfach, aber in den meisten Hütten durchaus in Ordnung. Komfort wie auf den meisten Alpenhütten darfst du allerdings nicht erwarten.
Die Übernachtungspreise hingegen sind in etwa mit denen auf DAV-Hütten vergleichbar.

Freunde eines gepflegten Biers müssen da etwas tiefer in die Tasche greifen: Durchschnittlich sieben Euro kostet ein halber Liter des (leckeren) lokalen Pietra Biers auf den Hütten. Halte dich da lieber an die wesentlich günstigeren Karaffen mit dem Hauswein.
Ebenfalls nicht ganz billig ist das Abendessen. Dafür stehen drei bis vier reichhaltige Gänge auf dem Tisch, die oft mit super leckerem korsischem Schafskäse zubereitet sind.
Jede Hütte hat auch eine Küche um selber zu kochen, oft ergänzt um eine Verkaufsstelle. Dort kannst du deinen Proviant mit lokalen Spezialitäten ergänzen oder (kostengünstiger) mit Nudeln, Tomatensoße und Toastbrot auffüllen.

Kein Problem, falls du kein Korsisch sprichst: Auch mit Französisch kommst du problemlos durch! Italienisch kann ebenfalls funktionieren, Englisch mit etwas Glück auch.
Wichtig ist in jedem Fall die höfliche Form. Sprich die Hüttenbetreiber mit „Bonjour Madame / Monsieur“ an und verwende – wo möglich – französische Worte. Zumindest der Versuch wird honoriert werden und endet oft in einem amüsanten Gespräch mit Händen und Füßen. Bestenfalls tauchen plötzlich Englischkenntnisse auf …


Ob der GR 20 wirklich der schwierigste Wanderweg Europas ist, wie er auch gerne bezeichnet wird … schwer zu sagen. Unsere Etappen waren zwar fordernd, aber durchaus machbar und gefühlt nicht deutlich anstrengender als andere Wege, die wir bisher gegangen sind.
Einzigartig ist die Wanderung auf der wilden Mittelmeerinsel jedoch allemal und überzeugt mit ihrem Abwechslungsreichtum und der wunderschönen Bergwelt.
Korsika, wir kommen wieder!

Bei der Planung hilfreich ist der Rother Wanderführer Korsika.

Roadbook

Gesamtanstieg: 3553 m
Gesamtabstieg: -4269 m
Maximale Höhe: 2213 m
Minimale Höhe: 686 m
volle Distanz: 53.62 km

Der GR 20 ist auf diesen Etappen meist gut markiert. Die Tour besteht aus teils einfachen, teils anspruchsvollen Bergwanderungen mit einfacheren Kletterstellen und ausgesetzten Stellen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind nötig. Eine Klettersteigausrüstung ist jedoch nicht erforderlich.
Unterwegs hast du viele Möglichkeiten, den Proviant in Hütten und Bergeries mit leckeren Spezialitäten aufzustocken. Auf einigen Etappen der Tour gibt es keine Quellen. Du solltest also immer ausreichend Wasser dabei haben.
Bei unserer Wanderung Mitte Juni waren die Temperaturen oft sehr hoch, es gab aber aber durchaus noch Schneefelder. Besonders auf dem Brèche de Capitello sind Stöcke und eventuell Leichtsteigeisen (Grödel) dann Pflicht.

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