Atlantik – Mittelmeer: Canal des Deux Mers

Radreise vom Atlantik zum Mittelmeer am Canal des Deux Mers

Unter schattigen Bäumen durchs sonnige Südfrankreich: Eine der beliebtesten Radstrecken in Frankreich ist die Voie Verte du Canal des Deux Mers. Ohne nennenswerte Steigungen geht es vom Atlantik über Bordeaux, Toulouse und Carcassonne bis ans Mittelmeer.

Canal des Deux Mers (Kanal der zwei Meere) ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für zwei Kanäle, die zusammen eine Wasserstraße zwischen Mittelmeer und Atlantik bilden:
Der Canal du Midi wurde im 17. Jahrhundert gebaut und führt von Toulouse bis Sète am Mittelmeer. Er gehört zu Europas schönsten Kanälen und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbe.
Der Garonne-Seitenkanal stammt aus dem 19. Jahrhundert und verläuft von Toulouse, wo er an den Canal du Midi anschließt, bis nach Castets-en-Dorthe, etwa 45 Kilometer südöstlich von Bordeaux. Dort mündet er in die Garonne.
Statt dem Canal du Midi bis zum Ende zu folgen, sind wir jedoch bei Le Someil südlich abgebogen und auf dem Canal Robine nach Narbonne gefahren.

Ein bauliches Abenteuer und historischer Wasserweg

Schon die Römer träumten davon den Atlantik mit dem Mittelmeer zu verbinden, aber erst Pierre-Paul Riquet schaffte es. Der Steuerbeamte aus Beziers war von der Idee eines solchen Kanals regelrecht besessen. Obwohl er dafür viel Spott einstecken musste, ließ er nicht locker und konnte König Ludwig XIV. von seinem Vorhaben überzeugen. Er bildete sich zum Geologen, Ingenieur und Wasserstraßenspezialisten aus – und kam auf geniale Ideen. So baute er Talsperren und legte den ersten künstlichen Stausee der Welt an.
Nach 14 Jahren Bauzeit konnte so das Mammutprojekt 1681 vollendet werden.
Riquet verstarb krank und verarmt einige Monate vor der Eröffnung zurückgezogen auf seinem Landhaus. Um den Bau voranzutreiben hatte er das Familienvermögen eingebracht und Finanziers übers Ohr gehauen. Den großen Erfolg seines Lebenswerks konnte er so nicht mehr miterleben.
Kohle, Holz, Wein, Getreide: Alles wurde über den Kanal befördert. Das geniale Bauwerk brachte Wohlstand und überall entstanden Gasthäuser, Kapellen und Bordelle. Auch ein Postservice wurde eingerichtet: Ein von drei Pferden gezogenes Schiff schaffte die Strecke von Toulouse nach Sète in nur fünf Tagen. Später verlagerte sich der Frachtverkehr auf die Schiene.
Erst im 19. Jahrhundert wurde schließlich eine vollständige Schiffahrtsverbindung der beiden Meere durch eine Verlängerung des Canal du Midi von Toulouse westwärts realisiert: Jean-Baptiste de Baudre baute den Canal latéral à la Garonne (Garonne-Seitenkanal), der bis zur Gironde-Mündung führt.

Radweg in der Nähe von Narbonne

Kleine Dörfer, eindrucksvolle Konstruktionen und große Sehenswürdigkeiten

Fernab von Autoverkehr und Industrie geht es mit dem Fahrrad entlang der von zahlreichen Platanen, Pappeln, Zypressen und Pinien gesäumten Wasserstraße. Auf ehemaligen und topfebenen Treidelpfaden fährst du durch sanft hügelige Weinberge, verträumte Dörfer und herrliche Natur.
Die gesamte Strecke ist sehr idyllisch, manchmal aber auch etwas eintönig. Um mehr vom Land zu sehen lohnt es sich durchaus, auch mal einen Schlenker abseits des Kanals einzubauen. Abwechslung bieten auch die vielen Schleusen, Kanalbrücken und -tunnel, Bassins sowie Mühlgerinne … Denn unterwegs gibt es viele eindrucksvolle technische Konstruktionen zu bewundern wie zum Beispiel die 539 Meter lange Kanalbrücke in Agen. Oftmals sind die Schleusenwärter-Häuschen auch zu netten Cafés umgebaut, die voll und ganz auf die Radtouristen eingestellt sind.
Auch einige spannende Städte wie Bordeaux, Toulouse, Narbonne und Carcassonne sowie zahlreiche außergewöhnliche historische Sehenswürdigkeiten und Weinbauregionen liegen entlang der Strecke am Canal des Deux Mers. Neben dem Canal du Midi selbst gehören schließlich auch die Altstädte von Carcassonne und Bordeaux sowie einige Kirchen der Jakobs-Pilgerstätten (in Toulouse, Moissac, Agen, La Sauve und Bordeaux) zum Weltkulturerbe der Unesco. Und zum krönenden Abschluss blitzt das türkisfarbene Mittelmeer vor uns auf!
Der einzige Wermutstropfen: Als Vegetarier ist es in Frankreich generell etwas schwierig und man kann nur wenige kulinarische Spezialitäten genießen.
Eine gute Übersicht über Sehenswürdigkeiten, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten bietet die offizielle Seite des Radwegs am Canal des deux mers. Außerdem gibt es zahlreiche Tourismusbüros, die Informationsmaterial zu den Sehenswürdigkeiten abieten, die man entlang des Canal du Midi besichtigen kann. Du willst lieber eine kompakte Zusammenfassung aller Infos? Dann schau dir mal den Radführer von Bikeline an!

Boot auf dem Canal du Midi

Streckenqualität: Von hui zu pfui

Der Radweg am Canal du Midi ist noch nicht durchgängig ausgebaut. Je nach Kommune befindet sich die Strecke deshalb in einem sehr unterschiedlichem Zustand:

  • Bis Toulouse fährst du auf einem perfekt ausgebauten, breiten, befestigten Radweg (Voie verte) von hervorragender Qualität und mit durchgehender Beschilderung. Zunächst führt die Route ab Bordeaux circa 50 Kilometer entlang einer alten ausgedienten Bahntrasse. Viele Informationstafeln entlang der Strecke und bei den alten Bahnhöfen geben Auskunft über Sehenswürdigkeiten sowie die Dörfer, die du passierst. Danach führt die Originalroute viel entlang des Canal de la Garonne.
  • Ab Toulouse ist der Radweg leider noch nicht so gut ausgebaut. Die ersten 40 Kilometer sind noch asphaltiert und von recht guter Qualität. Danach radelst du überwiegend auf unbefestigten Treidelpfaden, die mal mehr, mal weniger holprig sind. Oftmals gibt es nur einen sehr schmalen Pfad direkt am Kanal. Spitze Steine und dicke Wurzeln erschweren das Fortkommen enorm. Wenn es dann wie bei uns in den letzten Tage geregnet hat, ist der Radweg leider auch sehr schlammig und mit schwer bepackten Reiserädern recht anstrengend.
    Doch auch wenn unsere Räder hier sogar mehrere Schrauben verloren haben und auch die ein oder andere Speiche gebrochen ist, sind die Wege am Kanal dennoch in Erwägung zu ziehen. Zum einen wegen der schönen Atmosphäre am baumgesäumten Kanal und zum anderen wegen des Schattens, den die Bäume bei Hitze spenden. Wenn es zu schlammig wird, kannst du jedoch gut auf ruhige Nebenstraßen ausweichen und einen Schlenker über die umliegenden Ortschaften machen.  Bei Carcassonne ist zwar ein kurzer Abschnitt als Voie Verte ausgewiesen, ist aber ebenfalls unbefestigt und unterscheidet sich nicht vom Rest.

Abwechslung abseits des Kanals

Unser Tipp: Fahr nicht nur auf der Hauptstrecke entlang des Kanals, sondern weiche auch mal auf ruhige Nebenstraßen aus! Ansonsten siehst du recht wenig vom Land. Der baumgesäumte Radweg am Kanal ist zwar sehr idyllisch, aber leicher auf Dauer auch etwas eintönig, da es immer gleich aussieht.

Verbindungen zum Fernradnetz EuroVelo

Für unsere längeren Touren wählen wir möglichst immer Fernradwege, oft basierend auf dem länderübergreifenden Fernradnetz EuroVelo. Auch wenn die Véloroute des Deux Mers selbst kein EuroVelo ist, lässt sie sich prima mit dem Vélodyssée in Royan und dem EuroVelo 1 am Atlantik sowie mit dem EuroVelo 8, der Mittelmeer-Route von Südspanien bis Griechenland, verbinden.

Du willst nur eine Teilstrecke fahren?

Kein Problem! Bis auf den Abschnitt kurz vor Bordeaux verläuft die Eisenbahn meist parallel zur Strecke und die größeren Städte werden auch von TGVs angefahren. Du kannst also leicht an- und abreisen oder auch weniger spektakuläre Abschnitte abkürzen.

Roadbook

Gesamtanstieg: 1123 m
Gesamtabstieg: -1120 m
Maximale Höhe: 196 m
Minimale Höhe: 1 m
volle Distanz: 448.65 km

Die gesamte Strecke ist fast durchgehend ebenerdig. Der höchste Punkt, die Anhöhe von Naurouze, ist gerade mal 189 Meter hoch. Dafür musst du mit zum Teil sehr starken Winden rechnen, je näher du der Küste kommst, die das Fortkommen deutlich erschweren können.
Die Strecke am Canal du Midi ist noch nicht komplett ausgebaut und deshalb auch noch nicht einheitlich und durchgehend beschildert. Im Internet findest du aber eigentlich alles für die Tourenplanung. Hast du ein GPS-Gerät, ist weiteres Kartenmaterial für unterwegs unnnötig, da die Strecke einfach zu finden ist und es meist am Kanal entlang geht.
Die Qualität des Radwegs ist jedoch sehr unterschiedlich und schwankt je nach Kommune zwischen befestigt und perfekt ausgebaut oder schlammig und holperig.

Highlights

  • Bordeaux
  • Toulouse
  • Carcassonne mit seiner wunderschönen mittelalterlichen Altstadt
  • Narbonne

Diese Route ist Teil der Tour
Long Road EU - Von Nordwest- nach Südeuropa

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