La Vélodyssée: Frankreichs Atlantikküste

EuroVelo 1 / La Vélodyssée an der französischen Atlantikküste

Mildes Klima, endlose Strände, glasklares Wasser,  ausgedehnte Wälder und idyllische Seen: Die französische Atlantikküste bietet Aktivurlaubern in den Regionen Pays de la Loire und Nouvelle-Aquitaine perfekte Bedingungen. Nicht zuletzt sorgt das sprichwörtliche Savoir-vivre der Locals für eine entspannte Atmosphäre.

Wellen, Wind und Sand schaffen für Wassersportler ideale Voraussetzungen zum Surfen, Segeln und Paragliden. Radfahrer können hunderte Kilometer auf Radwegen zurücklegen. Viele davon führen durch schattenspendende Pinienwälder.
Die Vélodyssée ist einer dieser Radwege und folgt als Teil des EuroVelo 1 fast der kompletten Westküste Frankreichs. Und auch wenn sich die Bezeichnung auf Odysseus‘ jahrelange Irrfahrt bezieht … Derartiges ist hier sicher nicht zu befürchten: Die Vélodyssée Radstrecke ist perfekt beschildert und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von Zyklopen heimgesucht. Dafür durchquert die Route bekannte Weinbaugebiete wie das Médoc und führt entlang der malerischen Küste durch Naturparks, Marschland und kleine – wenn auch sehr touristische – Orte. Dazwischen laden idyllische Strände immer wieder zu einer Bade-Pause ein.

Vogelschutzgebiet am Atlantik

Schon der Beginn der Tour ist außergewöhnlich: In Jules Vernes‘ Heimatstadt Nantes überquert die Route das Gelände des Steampunk-Freizeitparks Les Machines de l’Île, bevor sie dem Loire-Radweg zur Küste folgt. Dabei siehst du unterwegs immer wieder die Kunstwerke des Projekt Estuaire, das zeitgenössische Kunst ans Ufer der Loire bringt. Inspiriert davon fingen auch Privatleute an, Skulpturen am Straßenrand aufzustellen … Es gibt also Einiges zu sehen.
Auch sonst hat die Strecke viel zu bieten: Du erlebst zahlreiche Highlights wie die Passage du Gois, eine nur bei Ebbe befahrbare Verbindungsstraße zur Île de Noirmoutier. Im Süden der Region Pays de la Loire liegt das Departement Vendée. Dieses ist dank des lokalen Mikroklimas mit ebenso vielen Sonnenstunden gesegnet wie Südfrankreich. Der Streckenverlauf in der Region Nouvelle-Aquitaine ist geprägt von langen Sandstränden, Pinienwäldern und Badeorten. Das Ziel Bordeaux schließlich liegt mitten im gleichnamigen weltberühmten Weinbaugebiet mit seinen etwa 500 Weinschlössern.

Trotz glanzvoller alter Seebäder wie Royan oder La Tranche-sur-Mer ist die französische Atlantikküste bodenständig. Neben den obligatorischen Hotels gibt es hier auch viele Campingplätze und die Preise sind – saisonabhängig – recht verträglich.
Spannend sind die Kontraste zwischen den überlaufenen Touristenhochburgen und einsamer Natur. Über weite Strecken fährst du duch menschenleere Wälder, Sumpflandschaften und Buchten.

Den alten Prunk verdankt die Region zu einem wesentlichen Teil dem Sklavenhandel. In ihren Häfen wurden Schiffe mit billigen Tauschwaren beladen. Diese wurden dann in Westafrika bei Menschenhändlern investiert. Die Opfer wurden in die Karibik verschifft und dort weiterverkauft. Mit wertvoller Fracht wie Kaffee, Zucker und Kakao beladen kehrten die Seelenverkäufer in ihre Heimathäfen zurück. Dieser Kreislauf ermöglichte den Wohlstand der Region. Entlang der Atlantikküste wird dieser Teil der französischen Geschichte in einigen Museen thematisiert und auch Bezüge zur Gegenwart hergestellt.

Essen wie Gott in Frankreich?

Kulinarisch ist Frankreich ein Mekka. Das beginnt beim morgendlichen Croissant und setzt sich bis zum Abendessen fort. Qualitativ hochwertige Speisen haben hier definitiv einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Das macht sich zwar auch bei den Preisen bemerkbar, lohnt aber allemal. Die charakteristischen Fischerhütten versorgen Restaurants mit frischem Fisch und Muscheln in höchster Qualität.
Die Situation für Freunde pflanzlicher Kost ist allerdings schwieriger. Frankreich gehört zu den Ländern mit dem geringsten Anteil an Vegetariern in Europa und das zeigt sich deutlich. Das Konzept ist so wenig verbreitet, so dass zum Beispiel bei der Frage nach fleischlosen Optionen in einer Bäckerei kategorisch verneint wird. Erst auf Nachfrage wird das de facto Nationalgericht „Baguette mit Käse“ dann als vegetarisch identifiziert. Whooops … wir hoffen, dass es der Verkäuferin trotzdem noch schmeckt.
In Städten gibt es aber natürlich spezialisierte Restaurants und mit etwas Glück und Hilfe der Happy Cow App landest du auch in kleineren Orten hin und wieder einen Glückstreffer. Und notfalls bleibt immer noch Baguette oder Crêpe mit Käse, auch wenn das auf Dauer reichlich eintönig wird.

Idylleschock in Lacanau Océan

Radfahren im Westen Frankreichs

In Frankreich setzte sich vor einigen Jahren die Erkenntnis durch, dass das Fehlen vernetzter Fernradwege dem Radtourismus nicht zuträglich ist. Deshalb wurde ein ambitioniertes Programm zur Schaffung eines Radroutennetzes ins Leben gerufen, das nach und nach umgesetzt wird. Der Plan soll Frankreich zum Fahrradreiseziel Nummer Eins machen. Er umfasst die sieben in Frankreich verlaufenden EuroVelo-Routen sowie etwa 50 nationale Radrouten, die das gesamte Land erschließen sollen. Dabei werden existierende Radrouten nach Möglichkeit eingebunden. Im Moment ist etwa ein Drittel der anvisierten 20.000 Kilometer realisiert. Die Routen bilden aber noch kein zusammenhängendes Netz.
Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist seit 2012 der Atlantikküsten-Radweg Vélodyssée. Als französischer Abschnitt des EuroVelo 1, der vom Nordkap bis nach Portugal führt, verläuft die Strecke auf 1.200 Kilometern von Roscoff im Norden der Bretagne über Nantes, Royan, Lacanau, Arcachon und Biarritz bis an die spanische Grenze. Sie ist damit die längste Radroute Frankreichs.

Auf dem EuroVelo 1 / Vélodyssée von Nantes nach Bordeaux

Technisch ist dieser Abschnitt des EuroVelo 1 nicht sehr anspruchsvoll und verläuft weitgehend flach an der Küste. Dabei ist fast jede Kreuzung beschildert. Große Teile der Route sind perfekt ausgebaut und kommen als ehemalige Eisenbahnstrecken nicht allzu häufig mit Autostraßen in Berührung. Auf Landstraßen und in den Städten erweisen sich die Autofahrer als extrem zuvorkommend und fahren fast schon übervorsichtig. Auf den gemeinsam genutzten Straßen ist die Radspur oft breiter als die Autospur. Kurz: ein Radweg de Luxe und ein echtes Paradies für Radfahrer!
Dementsprechend viele Radler sind besonders nahe der Orte unterwegs, meist auf dem Rennrad oder Mountainbike. Und auch Radreisende sind keine Seltenheit, treten allerdings weniger häufig auf, als man es bei einer Strecke dieser Qualität vermuten könnte.
Entlang der Route gibt es zahlreiche Campingplätze und Hotels, die auf Radfahrer eingestellt sind.

Umfassende Rad-Infrastrukturmaßnahmen machen es möglich: Der EuroVelo 1 / Vélodyssée ist einer der besten Radwege, auf denen wir jemals unterwegs waren. Die Radspur ist teils breiter als die Autostraße, der Straßenbelag meist hervorragend und die Beschilderung lückenlos. Dazu sind die Steigungen im Grunde nicht der Rede wert. Und auch wenn die Gegend teils sehr touristisch ist, ist die Atlantikküste mit ihren ausgedehnten Naturschutzgebieten ein einmaliges Erlebnis.

Roadbook

volle Distanz: 618.34 kmMaximale Höhe: 51 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 1180 m
Gesamtabstieg: -1174 m

Die Strecke lässt nichts zu wünschen übrig: Die Vélodyssée ist ein perfekt ausgebauter und beschilderter Küstenradweg, der entlang der wunderschönen Atlantikküste und durch nahezu unberührte Natur führt. Ein absolutes Highlight! Während unserer Reise erlebten wir eine ausgewachsene Hitzewelle – Meeresbrise und Fahrtwind machten die rekordverdächtigen Temperaturen aber erträglich. Du solltest kein grundsätzliches Problem damit haben bei hohen Temperaturen zu fahren und in jedem Fall immer ausreichend Wasser dabei haben: Längere Strecken ohne Einkaufsmöglichkeiten kommen durchaus vor.
Anstatt von Bordeaux aus einen Ausflug zur Dune du Pilat zu machen würde es sich anbieten, von Lacanau Océan aus auf dem EuroVelo 1 zu bleiben und entlang des Bassin d‘Arcachon dorthin zu fahren.

Highlights

  • Les Machines de l’Île in Nantes
  • Passage du Gois zur Île de Noirmoutier
  • Strand in Lacanau Océan
  • Sonnenuntergänge am Atlantik

Die Tour "La Vélodyssée: Frankreichs Atlantikküste" in Etappen

volle Distanz: 84.25 kmMaximale Höhe: 40 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 412 m
Gesamtabstieg: -411 m

Die Tour startet in Nantes an der geschichtsträchtigen Burg Château des ducs de Bretagne und überquert das Gelände des Steampunk-Abenteuerparks Les Machines de l’Île auf der Île de Nantes. Vorbei am Jules-Verne-Museum am gegenüber liegenden Flussufer verlässt du die Insel und findest dich auf dem Loire-Radweg „La Loire à Vélo“ wieder. Damit bist du jetzt auf vier Radwegen gleichzeitig: Der Loire-Radweg ist identisch mit dem westlichen Abschnitt des Radwanderwegs EuroVelo 6 (der den Atlantik mit dem Schwarzen Meer verbindet) und auf dieser Etappe auch mit dem Atlantikküsten-Radweg La Vélodyssée. Der wiederum ist der französische Teil des EuroVelo 1, der vom Nordkap bis nach Portugal verläuft.
Auf der hervorragend ausgeschilderten Strecke geht es meist auf abgeschiedenen Landstraßen vorbei an weidenden Rindern und Pferden in Richtung Meer. Hin und wieder verläuft der Weg auf Feldwegen oder stärker befahrenen Straßen, in den Ortschaften gibt es oft Radwege. Der Abschnitt ist sehr populär und es sind viele Radfahrer unterwegs.
In Saint-Brevin-les-Pins überquert die riesige Saint-Nazaire-Brücke die Loire an ihrer Mündung in den Atlantik. Hier enden der Loire-Radweg und der EuroVelo 6. Nun befindest du dich „nur“ noch auf drei Fernradwegen: Neben EuroVelo 1 und Vélodyssée steigst du in Saint-Brevin-les-Pins in den südlichen Abschnitt des Vélocéan Radwegs ein, der bis nach Bourgneuf-en-Retz führt.
Weiter geht es ab jetzt meist direkt am Meer. Das Gebiet ist stark touristisch geprägt, so auch der Badeort La Plaine-sur-Mer. Hier vermittelt der Blick auf die Strände und die felsigen Buchten den Charme einer wilden Küste.

volle Distanz: 84.71 kmMaximale Höhe: 39 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 364 m
Gesamtabstieg: -387 m

Die Etappe beginnt mit einigen kleineren Steigungen an der malerischen Atlantikküste bevor du den Badeort Pornic mit seinem sehr schönen Hafen erreichst, der von einem alten Schloss überragt wird. Immer in der Nähe des Ozeans geht es an einem ausladenden Netz aus Kanälen weiter bis nach Bourgneuf-en-Retz, wo der Vélocéan Radweg endet. Damit befindest du dich jetzt nur noch auf dem EuroVelo 1 / Vélodyssée. Der starke Wind auf diesem Abschnitt wird von zahlreichen Windrädern genutzt, Radfahrer müssen gegen die Windverhältnisse leider eher ankämpfen.
In Beauvoir-sur-Mer beginnt ein echtes Highlight der gesamten Vélodyssée: Bei Ebbe kannst du über die Passage du Gois einen Abstecher zur Île de Noirmoutier machen. Am Startpunkt der 4,5 Kilometer langen Straße befinden sich Infoschilder, die die Zeit bis zur Flut angeben. Denn dann liegt die Pflasterstraße etwa zwei bis drei Meter unter Wasser (es gibt aber in dichten Abständen Rettungstürme). Bei Niedrigwasser hingegen ist die Passage du Gois eine echte Touristenattraktion. Autos, Radfahrer und Fußgänger überqueren die Passage. Zahlreiche Einheimische suchen in der Nähe der Straße nach Muscheln.
Nach einigen Kilometern auf der Île de Noirmoutier verlässt du die Insel (deren Fläche zum Großteil unter dem Meeresspiegel liegt) wieder über die Brücke im Süden. Auf dem Festland verläuft die Strecke zwischen Küste und Ortschaften auf schattigen Waldwegen durch ausgedehnte Pinienwälder.
Saint-Jean-de-Monts ist ein Badeort mit einem schönen Sandstrand, der allerdings von zahlreichen Touristenbunkern im Stil der 60er und 70er Jahre beherrscht wird.

volle Distanz: 102.1 kmMaximale Höhe: 28 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 528 m
Gesamtabstieg: -526 m

Dieser Abschnitt führt durch das Département Vendée, das für seine Badeorte und Sandstrände bekannt ist. Die wild-romantischen Felsküsten bleiben zurück und in den Orten gibt es zahlreiche Hotels, die Mitte Juni aber noch nicht überlaufen sind. Der Radweg ist wieder perfekt ausgeschildert: Zusätzlich zu den EuroVelo 1 und Vélodyssée Schildern stehen am Wegesrand immer wieder La Vendée à Vélo Schautafeln, die deine Position im 1600 Kilometer langen Radwegenetz des Département zeigen.

Bald nach dem Start liegt in Saint Gilles Croix de Vie der älteste Hafen der Region mit seiner schönen Promenade und dem riesigen Yachthafen. Die Strecke läuft weiter am azurblauen Atlantik. Hin und wieder geht es durch idyllische Sumpfgebiete. In der Mitte der Strecke erreichst du Les Sables-d’Olonne und seine kilometerlangen Strände. Das Städtchen ist der zweitgrößte Badeort Frankreichs und entsprechend dicht ist die Bebauung. Die vielen Strandvillen in den verschiedensten Baustilen ergeben ein interessantes Bild.

In der zweiten Hälfte des Tages wird es etwas hügeliger. Bis Jard-sur-Mer verläuft die Strecke wieder direkt an der Küste, bevor sie am Eingang zum Parc naturel régional du Marais poitevin einen Schlenker ins Inland macht. Der Naturpark Marais Poitevin ist das zweitgrößte französische Feuchtgebiet und wird auch „Grünes Venedig“ genannt. Die malerische Route führt an einem Netz aus Kanälen entlang, die die Sumpflandschaft des Parks und ihre Salzwiesen mit dem Meer verbinden.
In dem kleinen Badeort La Tranche-sur-Mer wurde auf massive Bauten und Asphaltwüsten weitgehend verzichtet. Dafür gibt es einen 13 Kilometer langen Strand, den du auf Wanderwegen zwischen Dünen, Meer und Wäldern erkunden kannst.

volle Distanz: 72.86 kmMaximale Höhe: 32 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 122 m
Gesamtabstieg: -126 m

Ein großer Teil der heutigen Etappe führt über Feldwege durch das weitläufige Marschland und vorbei an den Agrarflächen des Marais Poitevin. Dabei geht es entlang unzähliger kleiner Kanäle und durch die Örtchen La Faute-sur-Mer und Saint-Michel-en-l’Herm. Nach der Überquerung des Flusses Sèvre Niortaise lädt Marans, die nördlichste Gemeinde des Départements Charente-Maritime, zu einer Pause ein. Die restlichen 20 Kilometer bis zum Tagesziel verlaufen entlang des idyllischen, wenn auch etwas fantasielos benannten Canal de Marans à La Rochelle.
Der Tag endet in La Rochelle, der schönen Hauptstadt Charente-Maritimes. Die charakteristischen Türme am Alten Hafen kontrollierten früher den Hafenzugang. Heute bilden sie die Kulisse für zahllose Kneipen, Bars und Restaurants. Besonders das alternativ angehauchte Quai du Gabut am südlichen Ende des Hafenbeckens ist einen Abstecher wert. In den weitläufigen Gassen der der Altstadt zeugen das Rathaus, mittelalterliche Fachwerkhäuser und schöne Renaissancegebäude von der reichen Geschichte der Stadt.
La Rochelle fördert umweltschonende Fortbewegungsmittel: Mit Self-Service-Rädern, elektrischen Pendelbussen und dem Meeresbus kannst du die Umgebung erkunden. Hier gibt es also viel mehr zu sehen als nur den aus Wolfgang Petersens Film „Das Boot“ bekannten U-Boot Bunker. Dieser ist übrigens mittlerweile Teil eines Handelshafens und darf nicht besichtigt werden.

volle Distanz: 44.63 kmMaximale Höhe: 17 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 177 m
Gesamtabstieg: -174 m

Der Abschnitt beginnt beeindruckend mit einer Fahrt durch den Yachthafen von La Rochelle. Er ist mit 4.000 Liegeplätzen der größte seiner Art in Europa. Weiter geht es heute hauptsächlich auf Autostraßen oder neben der Autobahn. Die Route folgt anfangs der Küste, bevor sie einige Kilometer nach Angoulins ins Landesinnere abbiegt, um das Naturschutzgebiet Réserve Naturelle du Marais d’Yves zu umgehen. Hier kannst du eine Pause machen, durch die Dünen und Sumpfwiesen wandern und dabei zahlreiche Wildvögel beobachten. Kurz darauf passierst du das in  der Nähe der Charente-Mündung gelegene Örtchen Saint-Laurent-de-la-Prée, bevor du wenig später das Tagesziel erreichst.
Auf unserer Reise war die andauernde Hitzewelle an diesem Tag mit Temperaturen um die 40 Grad Celsius besonders extrem. Also beschlossen wir bei unserer Ankunft in Rochefort, für den Rest des Tages lieber die Füße hochzulegen und die alte Hafen- und Festungsstadt zu besichtigen.

volle Distanz: 71.53 kmMaximale Höhe: 24 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 280 m
Gesamtabstieg: -286 m

Direkt zu Beginn dieser Etappe beschreibt der EuroVelo einen Bogen entlang der Charent und über Cabariot. Wir beschlossen, stattdessen mit der Schwebefähre von Rochefort – der letzten ihrer Art – den Fluss zu überqueren. Leider wurde sie zu dem Zeitpunkt aber repariert, so dass wir mit der daneben liegenden Bootsfähre übersetzen mussten. Die Strecke kürzt jetzt die Flussbiegung etwas ab und trifft einige Kilometer später in Saint-Agnant wieder auf den EuroVelo 1. Durch idyllisches Marschland geht es weiter, vorbei an Kühen und Pferden, während auf den Kanälen Schwäne und Enten ihre Bahnen ziehen. Bei Marennes passierst du zahlreiche Austern-Farmen, bis die Route schließlich die Küste erreicht. Große Teile der Strecke führen jetzt auf schattigen Wegen durch ausgedehnte Pinienwälder: Zuerst durch den Forêt de la Coubre, bevor dieser bei Les Mathes vom Forêt de Saint-Augustin-les-Mathes abgelöst wird. Die Qualität der Waldwege ist dabei hervorragend, so dass du gut voran kommst. Der letzte Abschnitt vor dem Tagesziel verläuft ab Saint-Palais-sur-Mer direkt am Meer entlang sehr vieler, sehr schöner Badestrände.
Auch das Städtchen Royan verfügt über wunderschöne Strände und ist mit seinem Yachthafen bei Touristen entsprechend beliebt. Der Ort wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und anschließend im Stil der 1950er und 60er Jahre wieder aufgebaut. Im Gegensatz dazu wurden die Villen an der kilometerlangen Strandpromenade in Baustilen verschiedenster Epochen neu errichtet. Interessant auch die gotisch anmutende Kathedrale Notre-Dame de Royan, die eine wunderschöne Kulisse für die malerischen Sonnenuntergänge am Atlantik liefert.

volle Distanz: 78.94 kmMaximale Höhe: 38 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 404 m
Gesamtabstieg: -396 m

Der Tag beginnt recht früh mit einer Fährfahrt vom Hafen von Royan über die Mündung der Gironde. Da die Fähre nicht allzu häufig verkehrt, treffen sich hier so ziemlich alle Radfahrer, die im Moment auf diesem Abschnitt der Vélodyssée unterwegs sind. Am Zielhafen in Le Verdon-sur-Mer angekommen befindest du dich in der Region Médoc. Ab hier führt ein kurzer Streckenabschnitt durch ein schönes Waldgebiet, das kurz darauf von Soulac-sur-Mer unterbrochen wird … und dann beginnt der Wald richtig: Die nun folgenden 65 Kilometer verlaufen durch das Naturschutzgebiet Réserve Naturelle Nationale des Dunes et des Marais d’Hourtin. In dem gigantischen Pinienwald findest du lediglich eine Siedlung: Vendays-Montalivet. Ansonsten gibt es nur Bäume und die teils kilometerlang schnurgerade Straße. Hin und wieder kommt dir ein Auto oder ein anderer Radfahrer entgegen, meist bist du aber allein. Die immergleiche Umgebung und das laute und endlose Zirpen der Grillen führen nach einer gewissen Zeit einen fast schon meditativen Zustand herbei. Einige Kilometer vor dem Ziel wird die Streckenqualität dann plötzlich ernsthaft schlecht, teils ist der holperige Waldweg kaum noch zu erkennen.
Lacanau Océan ist ein wunderschöner Badeort und Surfspot mit weitläufigen Stränden. Für die Übernachtung empfehlen wir das einzigartig eingerichete Hippie-Surfer-Hostel Villa Zénith.

Der allabendliche Sonnenuntergang am Atlantik war immer sehr postkartentauglich, an diesem Tag aber besonders beeindruckend: Himmel und Strand leuchteten in derart spektakulären Rottönen, dass wirklich jeder innehielt um dieses Naturschauspiel zu genießen. Ungefähr eine Stunde lang verharrten tausende Menschen auf der Promenade … aufs Meer schauend und in andächtigem Schweigen. Eine wirklich beeindruckende Szenerie!

Sonnenuntergang in Lacanau Océan

volle Distanz: 67.07 kmMaximale Höhe: 54 m
Minimale Höhe: 1 m
Gesamtanstieg: 335 m
Gesamtabstieg: -328 m

Für die finale Etappe dieser Tour verließen wir den EuroVelo 1 Richtung Bordeaux, um von dort aus entlang des Canal des Deux Mers bis zum Mittelmeer zu fahren. Wie am Vortag verläuft die Strecke fast ausschließlich durch ausgedehnte Pinienwälder, heute allerdings leider oft parallel zu größeren Autostraßen. Hin und wieder kommst du dabei auf der ehemaligen Eisenbahntrasse durch kleine Orte, bevor die Umgebung rund um Bordeaux langsam urbaner wird. Alles in allem ein zwar schöner, aber auch etwas eintöniger Abschnitt.

Schon bei der Einfahrt nach Bordeaux wurde uns klar, dass diese Stadt viel zu bieten hat: Einige Kilometer vor der Ortsgrenze schloss ein Rennradfahrer zu uns auf, fragte nach dem Woher und Wohin und gab uns dann 20 Minuten lang Empfehlungen zu Sehenswürdigkeiten und kulturellen Highlights in der Hauptstadt der Region Nouvelle-Aquitaine.
Am besten entdeckst du Bordeaux zu Fuß, denn jedes Stadtviertel hat seinen eigenen Charakter: Das kosmopolitische Saint-Michel, das alte Saint-Pierre, oder Chartrons, wo die Locals ausgehen. Die gesamte Innenstadt ist UNESCO Weltkulturerbe und der denkmalgeschützte Bereich von Bordeaux ist, nach Paris, der größte Frankreichs.
In der Stadt gibt es auch zahlreiche Plätze und Gärten wie den englischen Garten Jardin Public oder den Rathauspark mit den beiden Galerien des Musée des Beaux Arts. Im Viertel Bordeaux Lac liegt der Stadtwald Bois de Bordeaux mit seinem Trimmpfad und zahlreichen Baumarten aus Europa und Nordamerika. Direkt daneben befindet sich der Parc Floral mit seinen Pflanzensammlungen und einem mehr als 5000 m² großen Rosenhain.
Eine einzigartige Atmosphäre, viele Museen und eine sehr lebendiges Nachtleben machen den Besuch zur Pflicht … Bordeaux wurde also nicht umsonst vom Lonely Planet auf Platz eins der besuchenswertesten Städte 2017 gewählt.

Zufällig fand an diesem Abend die alljährliche Fête de la Musique statt, und dabei ging es doch anders zur Sache als man das von ihren deutschen Ausgaben kennt: Im Innenstadtbereich waren zehn Bühnen aufgebaut, auf denen jeweils unterschiedliche Musikrichtungen gespielt wurden … und zwar LAUT. Es gab also definitiv keine Bürgerinitiative, die dafür gesorgt hätte, dass um 22:01 Uhr der Geräuschpegel eines Friedhofs in einem abgeschiedenen Bergdorf hergestellt wird. Wenn überhaupt, dann wollte hier eine Interessengruppe den Lautstärkerekord von Motörhead brechen.
Zusätzlich zu diesen offiziellen Bühnen traten Bands auf der Straße, vor Plattenläden und Bars auf. Außerdem hatte gefühlt jeder zweite Einwohner sein eigenes Soundsystem aufgefahren, um mit seiner Lieblingsmusik die Live Acts zu übertönen. Das Ganze war also eine riesige ausgelassene Party im gesamten Zentrum. Wir schauten uns verschiedene Bühnen an und blieben dann an der Bordeaux Rock Bühne hängen, gerade rechtzeitig um den Voodoo Rhythm Records tauglichen Garage Punk von Sheriff Mouloud y el Zorro Loco zu sehen.

Falls du Zeit für einen Tagesausflug hast, liegt etwa 65 Kilometer westlich von Bordeaux bei Arcachon mit der Dune du Pilat die größte Wanderdüne Europas. Sie ist bis zu 110 Meter hoch, 2,7 Kilometer lang, und bewegt sich langsam ins Landesinnere.  Die Düne kann bestiegen werden und gilt (nach dem Mont-Saint-Michel in der Normandie) als das Naturdenkmal mit den meisten Besuchern in Frankreich. Dementsprechend gibt es hier viele Verkaufsstände, Park- und Campingplätze und … Gleitschirmflieger, die hier gute Windverhältnisse finden. Vom Kamm der Düne genießt du einen schönen Ausblick auf die Halbinsel Lège-Cap-Ferret und den Atlantik sowie die weiten See-Kiefernwälder der Landes de Gascogne.

Gleitschirmflieger auf der Dune du Pilat

Diese Route ist Teil der Tour
Long Road EU - Von Nordwest- nach Südeuropa

  • Greifenstein Yasmine am

    Echt toller Artikel. Die Höhensksla intrigiert mich.
    Wo sind denn die 51 m angesagt? An der Düne von Pilat, oder woanders ?
    Lg , Yasmine

    Antworten

    • Nico am

      Danke! Die Dune du Pilat ist auf der Skala nicht dabei. Sie ist über 100 Meter hoch und weiter südlich als wir mit dem Rad gefahren sind, bei Arcachon.
      Den Punkt sehe ich auf der Etappe Lacanau Océan – Bordeaux, am Ortsausgang von Salaunes.
      Viele Grüße!

      Antworten

  • Silke Kirchmann am

    Hi, danke für den guten Bericht, sind grade in Nantes, und Fragen uns, wie wir wohl in 2 Wochen mit den Rädern wieder hier ankommen, hättest Du einen Tipp? Ginge das auch mit Fahrrad?

    Liebe Grüße Silke

    Antworten

    • Nico am

      Hi Silke,
      sorry ich verstehe irgendwie die Frage nicht so ganz… Was wollt ihr in zwei Wochen mit den Rädern machen? Eine Tour die in Nantes beginnt, endet und teils auf dem EuroVelo 1 verläuft?
      In dem Fall würde ich einfach noch einige Tage auf dem Loire-Radweg verbringen und die Rückfahrt von Bordeaux nach Nantes mit dem Zug planen.
      Viel Spaß und viele Grüße
      Nico

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