Pyrenäen auf dem GR 11

  1. Anreise in die Zentral-Pyrenäen
  2. Candanchú - Formigal
  3. Formigal - Refugio Respomuso
  4. Refugio Respomuso - Baños de Panticosa
  5. Baños de Panticosa - San Nicolas de Bujaruelo
  6. San Nicolas de Bujaruelo - Torla-Ordesa
  7. Refugio de Pineta - Parzán

Anreise in die Zentral-Pyrenäen

Den Ausgangspunkt dieser Tour in den Pyrenäen zu erreichen ist nicht ganz einfach:
Die nächsten internationalen Flughäfen liegen  in Pamplona und Saragossa. Von Pamplona aus musst du dann mit dem Zug oder Bus Saragossa erreichen. Von hier gehen Busse über Jaca nach Candanchú und es gibt eine Zugverbindung ins nahegelegene Canfranc.

Wie üblich verzichten wir jedoch aufs Flugzeug (und legen dir nahe, das Gleiche zu tun). Von Barcelona aus fahren wir mit dem Bus nach Huesca. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz entpuppt sich als verschlafen und extrem preisgünstig. Weiter geht es von dort mit dem Bus nach Jaca und nach einem Aufenthalt fährt dann der Bus Turistico nach Candanchù.
Deutlich entspannter gestaltet sich die Anreise für den Rest unserer Wandergruppe, der einfach mit dem Auto aus Deutschland anreist.

Candanchú - Formigal

Gesamtanstieg: 964 m
Gesamtabstieg: -985 m
Maximale Höhe: 2230 m
Minimale Höhe: 1375 m
volle Distanz: 21.02 km

Candanchú ist im Winter ein beliebter Ski-Ort in den Pyrenäen. Im Sommer haben lediglich zwei Snack Bars und ein Hotel geöffnet und alles wirkt recht ausgestorben. Hier beginnt die Wanderung auf dem GR 11 mit einer langgezogenen leichten Steigung über saftige Wiesen. Die Route folgt dabei anfangs dem Verlauf des Aragón und später dem Río de la Canal Roya. Nach ungefähr fünf Kilometern lädt das Refugio de Canal Roya – eine unbewirtschaftete Nothütte mit Grasdach – zu einer kurzen Pause ein, bevor es weiter bergauf geht.
Kurz darauf endet das Tal und es beginnt ein recht steiler Aufstieg bis zu einer Hochebene, auf der der Bergsee Ibón Norte de Anayet liegt. An dessen idyllischem Ufer weiden Pferde und du hast einen schönen Ausblick auf die umliegenden Gipfel. Ein perfekter Ort für eine kleine Pause!

Am anderen Ende des Plateaus beginnt dann der Abstieg entlang des Barranco de culivillas, bevor du schließlich die Ski-Station von Anayet erreichst. Nach zwei Kilometern auf der Zubringerstraße erreicht der Weg dann die Autostraße, auf der die letzten drei Kilometer dieses Abschnitts verlaufen. Da es hier kaum Ausweichmöglichkeiten gibt, ist das ein eher stressiger Marsch auf einer Landstraße. Außerdem ist der Abschnitt landschaftlich eher unspektakulär. Rückblickend würden wir deshalb für die letzten fünf Kilometer wohl eher ein Taxi zur Ski-Station rufen.

Das Tagesziel Formigal ist ein schöner Wintersportort in dem viele der Häuser und Hotels aus den typischen Natursteinen gebaut sind. Die zahlreichen Geschäfte und Boutiquen sind im Winter sicher besser besucht, aber auch im Sommer ist hier deutlich mehr los als noch in Candanchú.

Formigal - Refugio Respomuso

Gesamtanstieg: 967 m
Gesamtabstieg: -348 m
Maximale Höhe: 2169 m
Minimale Höhe: 1282 m
volle Distanz: 14.87 km

Die zweite Etappe beginnt mit einem sanften Absteig nach Sallent de Gállego. In der Nähe des Ortseingangs lädt ein Café zu einem zweiten Frühstück ein und im Dorf gibt es einen kleinen Supermarkt mit regionalen Produkten. Ansonsten ist hier alles sehr beschaulich … außer du kommst wie wir zufällig am ersten Augustwochenende vorbei.

Jedes Jahr findet hier gegen Ende Juli / Anfang August das Pirineos Sur Musikfestival statt und das Örtchen ist dann voller Musiker und Besucher. Hätten wir das vorher gewusst, wären wir wohl am Vortag noch die drei Kilometer weiter gegangen und hätten hier am See eine Übernachtung gebucht.

Die Route folgt jetzt dem Río Aguas Limpias aus dem Ort hinaus, vorbei an den Zelten und Vans der Festivalbesucher. Bald darauf beginnt der Anstieg und für die verbleibenden zehn Kilometer dieser Etappe geht es eigentlich nur noch entlang des Flusslaufs bergauf.
Nach kurzer Zeit erreichst du den malerischen Stausee Embalse de la Sarra. Am gegenüberliegenden Ufer befindet sich ein Restaurant samt Parkplatz, der auch von Tagesausflüglern genutzt wird. In deren Gesellschaft geht es auf dem breiten Weg weiter, teils auf kleinen Betonbrücken über Schluchten und immer wieder vorbei an Wasserfällen.
Die Tagesausflügler kehren irgendwann um und in der Ferne tauch ein Gebilde auf, das auf den ersten Blick stark an die Mauern von Mordor erinnert. Das ist die hoch aufragende Staumauer des Embalse Respomuso, den du schließlich nach einem letzten steilen Aufsteig erreichst.
Vorbei an der Kapelle geht es nun entlang des Ufers weiter bis zum idyllisch gelegen Refugio Respomuso.

Refugio Respomuso - Baños de Panticosa

Gesamtanstieg: 733 m
Gesamtabstieg: -1233 m
Maximale Höhe: 2739 m
Minimale Höhe: 1638 m
volle Distanz: 13.24 km

Der heutige Abschnitt beginnt mit einem Highlight der gesamten Tour: Direkt hinter dem Refugio Respomuso führt der Weg durch eine wunderschöne Auenlandschaft, die auch in einem Fantasy-Film vorkommen könnte. Nach dem Überqueren einiger Wasserläufe beginnt dann der Aufstieg bis zum idyllischen Bergsee Ibón de Llena Cantal.
Der Untergrund wechselt jetzt zu Geröll und der Anstieg wird deutlich steiler. Die letzten 50 Meter des Aufstiegs auf den Collado de Tebarray führen dann extrem steil nach und über loses Gestein nach oben … eine Stelle, an der ich eher eine Seilsicherung erwartet hätte.

Oben angekommen – mit circa 2.750 Metern über Null der höchste Punkt der gesamten Tour – hast du bei einer kleinen Pause einen schönen Blick auf die umliegende Bergwelt.
Der Abstieg führt  am Bergsee Ibón de Tebarray vorbei und verläuft dann weiter durch eine Geröllwüste, bis mit dem Erreichen der Seengruppe Ibónes Azules schließlich wieder etwas Grün in die Umgebung einzieht.

Vorbei am Ibón Azul Superior folgt die Route dem Flusslauf und erreicht dann die Ibones de Bachimaña. Am kleineren der beiden Stauseen liegt die bewirtschaftete Hütte Refugio de los Ibones de Bachimaña. Perfekt für eine kurze Pause! Gestärkt beginnt dann der letzte Teil des Abstiegs bis nach Baños de Panticosa. Direkt am Ortseingang des verlassen wirkenden Städtchens liegt hier das Refugio Casa de Piedra.

Baños de Panticosa - San Nicolas de Bujaruelo

Gesamtanstieg: 1228 m
Gesamtabstieg: -1536 m
Maximale Höhe: 2558 m
Minimale Höhe: 1335 m
volle Distanz: 20.41 km

Ein fordernder Einstieg: 900 Höhenmeter geht es am Tagesbeginn in Serpentinen steil nach oben. Anfangs führt die Route noch durch schattigen Wald, später über Geröllfelder bis zum idyllischen Stausee Embalse de Brazato. Jetzt folgt der letzte Teil des Aufstiegs bis hinauf zu den natürlichen Seen Ibones Altos de Brazato.
Von hier hast du einen atemberaubenden Blick auf den etwas tiefer gelegenen Bergsee Collado Alto de Brazato und vor allem auf den von einem Gletscher ausgehöhlten Gipfel des Vignemale. Mit Blick auf diesen beeindruckenden Berg verläuft der Abstieg über große Gesteinsbrocken und Geröll, wobei die Wegmarkierungen teils kaum zu erkennen sind.
Die Umgebung wechselt schließlich zu malerischen Hochalmen und nachdem du einige Male einen kleinen Bach überquert hast, wird dieser zum Río Ara. Nach dessen Überquerung – watend über rutschige Steine – führt der Weg am Fluss entlang bergab, vorbei an Wasserfällen, weidenden Kuhherden und aufmerksamen Murmeltier-Kolonien.

Die letzten fünf Kilometer verlaufen auf einer breiten Zubringer-Straße, die kurz vor dem Ziel zu einem idyllischen Uferweg am mittlerweile stark angewachsenen Río Ara wird.
Direkt am Refugio de Bujaruelo überquert die mittelalterliche Bujaruelo Brücke dann den Fluss. Wie sich herausstellt ist das Refugio keine einsame Berghütte, sondern auch das Restaurant für den daneben liegenden Campingplatz und ein beliebtes Ausflugsziel.

San Nicolas de Bujaruelo - Torla-Ordesa

Gesamtanstieg: 992 m
Gesamtabstieg: -789 m
Maximale Höhe: 1602 m
Minimale Höhe: 1048 m
volle Distanz: 12.74 km

Nach dem Überqueren der Bujaruelo Brücke verläuft die Tour entlang des Río Ara durch einen märchenhaften Wald. Unter schattenspendenden Bäumen geht es leicht bergab, vorbei am Campingplatz Valle de Bujaruelo bis zur Brücke Puente de Santa Elena. Ab hier folgt eine leichte Steigung und bald eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf den Eingang des Ordesa Nationalparks.
Nach einem recht steilen Abstieg erreicht die Route an der Puente de los Navarros wieder den Río Ara. Unter der Straße hindurch geht es über den Fluss und hinein ins Ordesa Tal.

Der Weg verläuft jetzt durch schöne Wald- und Sumpflandschaften entlang des Flusses bergauf und bietet dabei idyllische Blicke auf den Gipfel des Monte Perdido (der dritthöchste Berg in den Pyrenäen). Nach einem steileren Anstieg erreichst du schließlich den wunderschönen Wasserfall Cascada de Tamborrotera … der perfekte Ort für eine kurze Pause!
Kurze Zeit später liegt in der Nähe des Flussufers das beliebte Ausflugsziel Pradera de Ordesa. Hier wimmelt es von Tagesausflüglern die nach einem Spaziergang im Ordesa Nationalpark einkehren. Es fahren regelmäßig Busse nach Torla Ordesa.

Den Höhepunkt dieser Tour in den Pyrenäen mussten wir uns leider entgehen lassen: Das eigentliche Ziel der Etappe, die mitten im Ordesa Nationalpark gelegene Hütte Refugio de Góriz, war bereits im Februar komplett ausgebucht. In diesem Fall besteht zwar die Möglichkeit auf dem Gelände zu zelten, aber für nur eine Übernachtung wollten wir nicht zusätzlich Zelt und Schlafsack mitschleppen. Frühzeitiges Buchen ist bei dieser beliebten Unterkunft also extrem wichtig!
Falls du in einer ähnlichen Situation trotzdem etwas vom Ordesa Nationalpark sehen willst, kannst du eine (motorisierte) Tour zu den Aussichtspunkten machen.

Wir beschlossen stattdessen, diese Wanderung eines Tages nachzuholen und nutzten den Folgetag, um mit einem Taxi zurück zum Ausgangspunkt nach Candanchú zu gelangen. Dort holten wir das Auto und fuhren zum Refugio de Pineta, dem Startpunkt der morgigen Etappe.
Doch das war in dieser verkehrstechnisch eher wenig erschlossenen Gegend nicht ganz einfach. Als beste Möglichkeit stellte sich schließlich heraus, morgens das Fremdenverkehrsamt in Torla-Ordesa um Hilfe zu bitten. Nach einigen Stunden Wartezeit tauchte dann gegen Mittag das gerufene Taxi auf.

Refugio de Pineta - Parzán

Gesamtanstieg: 1089 m
Gesamtabstieg: -1208 m
Maximale Höhe: 2152 m
Minimale Höhe: 1124 m
volle Distanz: 20.89 km

Die letzte Etappe startet flach – und schlecht markiert – entlang des Flussbetts des Rio Cinca. Nach ungefähr zwei Kilometern geht es dann auf der Landstraße weiter, bevor bei der Kapelle Ermita de Nuestra Señora de Pineta der Aufstieg beginnt. Die Route verläuft dabei durch einen schattenspendenden Wald, immer weiter aus dem Pineta-Tal hinaus, bis zum Refugio de la Larri.
Hier ist ein guter Punkt, um bei einer kurzen Pause die tolle Aussicht auf den Gletscher des Monte Perdido zu genießen. Eine Infotafel zeigt den dramatischen Rückgang des Gletschers in den letzten Jahren.

Der Weg führt jetzt steil und weiterhin schlecht markiert unter schattigen Bäumen bergauf. Auf der Hochebene Piana Fonda angekommen, kannst du erneut den Ausblick genießen, bevor du nach weiteren Steigungen mit dem Collado de las Coronetas den höchsten Punkt der Etappe erreichst. Jetzt folgt ein Abstieg über Wiesen und Geröllfelder bis zu einer kleinen Brücke, die an einem Parkplatz liegt.
Ab hier geht es jetzt für sieben Kilometer eintönig auf einem geschotterten Wirtschaftsweg bergab bis nach Chisagüés. Ab dem 19-Einwohner-Örtchen folgt der Weg auf den letzten drei Kilometern einer kaum befahrenen Autostraße. Kurz vor dem Ziel kannst du dann auf einen schönen Wanderweg einbiegen. Dieser scheint eigentlich parallel zur Straße zu verlaufen, Weiter oben war der Einstieg für uns aber nicht erkennbar.

Parzán ist ein winziger Durchgangsort an der Autovía A-138, in dem es aber immerhin ein Hotel, eine Tankstelle und einen Supermarkt gibt.

Um von hier zum Beispiel nach Barcelona zu gelangen, musst du ein Taxi ins nahe gelegene Boltaña nehmen. Von dort gibt es eine tägliche Busverbindung nach Barbastro, von wo mehrmals pro Tag ein Bus nach Barcelona geht.

  • M Marietta Schneider
    am

    Lieber Nico,

    nachdem ich Deinen Blogartikel gelesen habe, muss ich wohl auch mein Bild der Pyrenäen korrigieren. Das sind ja zum Teil sehr grüne Landschaften. Sehr schön finde ich auch die Seebilder, die Du gemacht hast. Die 30 Grad im August muss ich jetzt nicht unbedingt haben, aber im Herbst geht das von Temperaturen sicher sehr gut.

    Viele Grüße
    Mari

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    • Nico Nico
      am

      Hi Mari,
      ich war auch sehr überrascht von den abwechslungsreichen Landschaften in den Zentral-Pyrenäen.
      Die Temperaturen sind im Fühling und Herbst sicher angenehmer, aber mit etwas Eingewöhnung war die Wanderung auch im Sommer ganz gut machbar.
      Viele Grüße

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Diese Route ist Teil der Tour
Long Road EU - Von Nordwest- nach Südeuropa