Nantes

Nantes - Quai des Antilles

Der beste Weg, um sich in die lebendige und gleichzeitig entspannte Stadt Nantes zu verlieben, ist auf dem Rücken eines Elefanten! So reiten wir auf einem 12 Meter hohen mechanischen Dickhäuter, der von einem umgebauten Mähdrescher-Motor angetrieben wird. Gemächlich stapft er über das ehemalige Werft-Gelände auf der Insel île de Nantes an der Loire, trompetet dabei laut und sprüht Wasser auf die Umstehenden. Willkommen  beim Kunstprojekt Les Machines de l’île! Hier werden monumentale Tiermaschinen im Steampunk-Stil  zum Leben erweckt – und das ist absolut sehenswert!

Auch sonst hat Nantes viel zu bieten: Im historischen Zentrum der Stadt sind die klassischen Sehenswürdigkeiten zu finden, wie die Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert und das Schloss der Herzöge der Bretagne, heute ein Museum für Regionalgeschichte. Daneben gibt es auch sehenswerte moderne Gebäude wie den beeindruckenden Palais de Justice des Architekten Jean Nouvel. Außerdem gibt es einige schöne Parks und Gärten, die auch bei den Einheimischen sehr beliebt sind. Und auch Kunst und Kultur spielen in Nantes eine große Rolle. Schließlich beheimatet die Stadt eines der besten Symphonieorchester Frankreichs und eine hervorragende Operngesellschaft, die im Théâtre Graslin auftritt.

Elefant bei Les Machines de l’île in Nantes

Im 18. Jahrhundert war Nantes eine der bedeutendsten Hafen-Städte Frankreichs und wie ein Wasserlabyrinth komplett mit Kanälen durchzogen. Diese wichen jedoch später den modernen Straßenbahnlinien. Deshalb verschob sich die Hafenaktivität nach Westen an die Atlantikküste bei St-Nazaire. Das maritime Erbe der Stadt lebt jedoch nicht zuletzt in den Romanen von Jules Verne weiter. Der Science Fiction-Pionier wurde 1828 in der Stadt geboren und ließ sich von den riesigen Segelschiffen aus dem 19. Jahrhundert inspirieren, die an seinem Haus vorbeifuhren.

Früher industriegrau, ist Nantes heute grün, fahrradfreundlich und kreativ: Als erste französische Stadt wurde sie 2013 zur „Umwelthauptstadt Europas“ gewählt. Der Jardin des Plantes ist eine der vier größten botanischen Gärten Frankreichs. Kein Einwohner Nantes lebt weiter als 300 Meter von einer Grünanlage entfernt – nicht verwunderlich bei insgesamt mehr als 1.000 Hektar Grünfläche.
In Nantes kreuzen sich zwei EuroVelo-Routen: der EuroVelo 1 (Vélodyssée) und der EuroVelo 6. Es gibt hier nicht nur viele Fahrradverleihstationen und Radwege, auch von ihrer Topographie und Größe eignet sich die Stadt perfekt zum Fahrrad fahren. Schnell und einfach erreichst du jedes Ziel. Nicht umsonst wählte die dänische Agentur Copenhagenize Nantes 2013 in die Top Ten der fahrradfreundlichsten Städte der Welt.
Und auch der starke Einfluss der Kunst ist allgegenwärtig zu spüren. Diese ist auch oft im Freien zu finden wie die Installationen an der Loire im Rahmen des Kunstaparcours Estuaire.

Was du in Nantes unbedingt gesehen haben musst

Folge der grünen Linie! Le Voyage à Nantes führt zu  allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es handelt sich dabei um eine über 15 Kilometer lange Markierung, die auf den Bürgersteig aufgemalt ist. Insgesamt gibt es 30 Etappen zu entdecken. Eine witzige Idee, die mir sehr gefallen hat! Jedes Jahr begleitet ein zweimonatiges Event den Entdeckungs-Parcour. Von Ende Juni bis Ende August können Besucher beim Festival Voyage à Nantes neben den dauerhaften Sehenswürdigkeiten temporäre Installationen und Kunstwerke entdecken und lokale Leckereien probieren. Der Route kannst du übrigens auch mit dem Fahrrad gut folgen.

Eine einzigartige Sehenswürdigkeit ist das Ausstellungs-Projekt Les Machines de l’île im Loire-Hafen auf der l’île de Nantes. Es wurde von zwei ehemaligen Mitgliedern der Royal de Luxe Theatergruppe ins Leben gerufen und 2007 auf dem alten Hafengelände eröffnet. Zu sehen sind mechanische Objekte der Gruppe „La Machine“, einem Zusammenschluss von Künstlern, Ingenieuren und Handwerkern. Die großen, beweglichen  Metall- und Holzkonstruktionen im Steampunk-Stil sind unglaublich fantasievoll. Eine Mischung aus den Phantasiewelten von Jules Verne, dem mechanischen Universum von Leonardo da Vinci und der industriellen Geschichte von Nantes. Das größte und auffälligste Objekt ist der 12 Meter hohe Elefant. In der 40 Tonnen schweren Skulptur finden bis zu 35 Personen Platz. Ein Ritt auf ihm solltest du dir keinesfalls entgehen lassen. Das 25 Meter hohe Karussell der Meereswelten lädt ein zu einer Fahrt in unglaublichen Maschinen aus einer imaginären Meereswelt. Einiges davon kannst du übrigens auch ohne Eintritt sehen.

Fliegende, mechanische Riesenspinne bei Les Machines de l’île

Am Ufer der Loire von Nantes bis Saint-Nazaire kannst du dann auch gleich noch einen Teil des Dauerkunstparcours Estuaire besichtigen. Auf insgesamt 60 Kilometern Länge werden 30 Kunstwerke dauerhaft ausgestellt. Seit 2007 bereichert die Kunstbiennale die Landschaft der Loire-Mündung mit zeitgenössischen Kunstwerken, wie zum Beispiel das Segelboot von Erwin Wurm in Le Pellerin, das Haus in der Loire von Jean-Luc-Courcoult oder die Seeschlange von Huang Yong Ping in Saint-Brévin-les-Pins.

Sehenswert ist auch das Schloss der Herzöge der Bretagne aus dem 15. Jahrhundert. Das letzte Schloss an der Loire vor dem Ozean war bis ins 16. Jahrhundert die Hauptresidenz der Herzöge und wurde danach einige Zeit vernachlässigt. Hof, Festungsmauer und Wassergraben sind frei zugänglich. In der mächtigen Verteidigungsfestigung befindet sich heute das Historische Museum von Nantes. Hier erzählt die Stadt ihre Geschichte anhand wichtiger Momente der europäischen und Weltgeschichte, mit Schwerpunkt auf Sklavenhandel und die zwei Weltkriege. Auch nachts lohnt sich ein Besuch des Schlosses, da es sehr eindrucksvoll beleuchtet wird.

Das Jules Verne Museum soll hingegen eher langweillig sein, wenn man nicht gerade ein extremer Fan ist. Wir haben es uns deswegen gespart. Das ehemalige Wohnhaus von Jules Verne ist zur Zeit nicht öffentlich zugänglich.

Sehr beliebt (auch bei den Locals) ist der botanischen Garten Jardin des Plantes, zu dessen Hauptattraktionen eine 200 Jahre alte Magnolie zählt. Auf insgesamt 7 Hektar gibt es exotische und heimische Pflanzen zu bestaunen. In der Mitte des Parks befindet sich ein kleiner See mit Wildenten. Außerdem gibt es einen kleinen Streichelzoo mit frechen Ziegen, die du füttern kannst. Dabei solltest du jedoch darauf achten alles gut festzuhalten, da sie es dir ansonsten schnell aus der Hand schnappen.

Auch ein Besuch der beeindruckenden Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im gotischen Flamboyant-Stil lohnt sich. Du kannst dort zum Beispiel die weißen Marmorsäulen und die Buntglasfenster des Gebäudes bewundern. Das Meisterwerk der Renaissance beherbergt das Grab von Franz II. Dieser war der letzte Herrscher des unabhängigen Herzogtums der Bretagne, bevor die Region 1532 Teil von Frankreich wurde.

Die beste Aussicht hat man von der Bar Le Nid. Sie befindet sich im 32. Stockwerks eines Wolkenkratzers auf dem Place de Bretagne. Die Bar wurde von dem französischen Grafik-Designer Jean Jullien gestaltet. Spektakulär windet sich der Hals eines gigantischen Vogels – halb Storch, halb Reiher – um den ganzen Raum.

In der umgebauten ehemaligen Keksfabrik Lieu Unique ist ein lebhaftes Kulturzentrum für alternative Musik, Tanz und Kunst. Früher wurden hier die Butterkekse der Marke LU hergestellt. Jetzt gibt es hier neben Bar, Restaurant, Buchhandlung, Theater und Hamman vor allem regelmäßig Live-Musik und Kunstausstellungen. Das Zentrum ist schon von Weitem erkennbar am auffälligen Art déco-Turm. Beim Umbau wurde so viel Industrieästhetik wie möglich erhalten: Die Wände sind unverputzt, die Metallrohre an der Decke nicht versteckt.

Loire Radweg in Nantes

Noch mehr Zeit?

Wenn du mehr Zeit als wir in Nantes verbringst, gibt es noch viel mehr zu sehen: eine Vielzahl weiterer Parks und Kirchen (wie zum Beispiel die spätgotische Kirche Sainte-Croix) und das Museumsschiff  Maillé-Brézé (ein ehemaliger französischer Zerstörer), das am Ufer der Loire über den Zweiten Weltkrieg informiert. An den dunklen Teil der Stadtgeschichte erinnert das Mahnmal für die Abschaffung der Sklaverei. Am geschichtsträchtigen Quai de la Fosse (hier legten die Sklavenschiffe an, bevor sie nach Afrika aufbrachen) gibt es Rundgänge zu diesem Thema. Für Architektur-Interessierte ist auch die 1834 erbaute unter Denkmalschutz stehende Einkaufsmeile Passage Pommeraye ein Besuch wert, die häufig als Filmkulisse diente.

Tipps:

  • Wenn du dir eine Nantes CityCard kaufst, kannst du 24, 48 oder 72 Stunden lang unbegrenzt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und hast freien Eintritt in viele Sehenswürdigkeiten. Für uns hat sich das nicht gelohnt, da die Stadt eher klein ist, gut zu Fuss zu begehen und wir zu kurz dort waren, um allzu viele kostenpflichtige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.
  • Montags haben die meisten Museen und Restaurants geschlossen.
  • Die Tourist Information (9 Rue des Etats) ist jeden Tag von 10 Uhr morgens bis 6 Uhr abends geöffnet.
  • In der Stadt gibt es Free WiFi!
  • Für Fahrradfahrer: Die Route des EuroVelo 6 verläuft entlang der Kunstbiennale Estuaire an der Loire, sodass du viele Kunstwerke bewundern kannst. Während des Festivals Voyage à Nantes kannst du dem künstlerischen Parcours durch die Stadt auch mit dem Fahrrad leicht folgen.
  • In Nantes gibt es viele vegetarische und vegane Restaurants. Die beste Übersicht gibt es wie immer bei Happy Cow. Besonders empfehlen können wir das Bio-Restaurant Totum Cantine Bio. Das Essen ist super lecker und die Besitzer sehr nett!
  • Das Shuttleboot („Navibus“) startet an der Gare Maritime. In wenigen Minuten schippert es flussabwärts an der île de Nantes vorbei zu einem einstigen Fischerdörfchen, das heute ein beliebtes Ausflugsziel ist: Trentemoult. In den belebten Cafés am Ufer kannst du perfekt mit einem Glas Wein im Liegestuhl die Abendsonne genießen.

Warum nach Nantes?

Die Metropole Nantes ist die kulturelle Hauptstadt Westfrankreichs und Tor zum Loiretal. Was wir an der Stadt besonders lieben? Das Entscheidende sind weniger die ohnehin schon beeindruckenden Sehenswürdigkeiten als das Lebensgefühl, das man deutlich spürt – das französische savoir vivre eben. In der lebendigen Stadt gibt es sehr viele Bars und Bistros und es  herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Im Sommer gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen. Kunst und Kultur ist allgegenwärtig und oft auch im Freien zu finden, wie zum Beispiel in den Parks. Ehemalige Fabriken und Lagerhäuser haben sich heute in Orte der Kultur verwandelt. Außerdem haben wir uns auch über die vielen tollen Veggi-Restaurants gefreut.

Diese Route ist Teil der Tour
Long Road EU - Von Nordwest- nach Südeuropa

Schreibe den ersten Kommentar!

Ähnliche Beiträge